StudiVZ klagt gegen ErstiVZ – Klonen soll sich nicht lohnen

Selber hat man schamlos bei Facebook geklaut und geht nun mit aller Härte gegen andere vor – so lassen wir uns das Gefallen. Irgendwie kommt StudiVZ nicht aus den Negativ-Schlagzeilen – bei den Bloggern wie z. B. hier ist man eh schon lange in Ungnade gefallen – nicht so ganz zu unrecht wie wir meinen:

„Ein EigenbauVZ kann teuer werden so Spiegel-Online. Münsteraner Studenten bastelten einen Mini-StudiVZ-Klon für Erstsemester – das Original reagierte mit einem Schreckschuss per Anwalt. Der Zwist wurde schnell beigelegt, doch andere VZ-Nachahmer zittern vor weiteren Abmahnungen.

Peter Großkopf war gern bei StudiVZ, gruschelte seine Kommilitonen regelmäßig und verlinkte sich auf Partyfotos. Als er mit Kommilitonen der Wirtschaftsinformatik an der Uni Münster eine Orientierungsphase für Erstsemester organisieren sollte, nutzte der 27-Jährige kurzerhand das Erfolgskonzept des beliebten „Social Networks“ – und bastelte sein eigenes Verzeichnis: „Damit alle Adressen der Teilnehmer gesammelt werden können und die Mentoren über einen Gruppenverteiler Nachrichten verschicken können, tragen sich die neuen Studenten im ErstiVZ ein. Der Zugang wird nur bei der Orientierungswoche gewährt“, erklärt Großkopf.

Nebenbei speicherten die Mentoren für die neuen Studenten alle Kneipen, Hörsäle und Mensen im Verzeichnis. „Das Projekt hatte keinerlei kommerzielle Absichten. Es ging einfach darum, den Studenten den Einstieg ins Studienleben zu erleichtern“, versichert Peter Großkopf. Und noch mehr: „Wir haben sogar offen kommuniziert, dass die Plattform nur in der Anfangsphase des Studiums genutzt wird und dass danach doch bitte alle Leute ins StudiVZ gehen sollen. Wir haben also quasi Werbung für StudiVZ gemacht.“

2000-Euro-Drohung – zu viel für Studenten-Geldbeutel

Beim großen Vorbild StudiVZ war man jedoch alles andere als begeistert von der Verzeichnis-Alternative Marke Eigenbau – am Valentinstag flatterte Peter Großkopf eine Abmahnung ins Haus: Die Studenten sollten eine Unterlassungserklärung unterschreiben und 2080,50 Euro zahlen. „Das VZ-Kürzel wird aus unserer Sicht ganz sicher mit dem Studiverzeichnis in Verbindung gebracht“, sagt StudiVZ-Sprecher Dirk Hensen klar. Außerdem gebe es eine zu starke thematische Nähe zwischen den Zielgruppen „Studi“ und „Ersti“.

Die Studenten aus Münster sind nicht die ersten, die ein eigenes soziales Netzwerk mit dem Namenszusatz „VZ“ versehen – so heißt die Spielergemeinschaft „Pokerfreunde.de“ seit dem 6. Februar nicht mehr „PokerVZ“, nachdem StudiVZ gegen die Zocker-Community anwaltlich vorgegangen war. „Wir müssen StudiVZ schützen und notfalls gegen den Missbrauch von ähnlichen Namen juristisch vorgehen“, so Hensen.

Während Student Peter Großkopf und seine Mitstreiter um ihre Ersparnisse bangen, schlägt die StudiVZ-Abmahnung im Internet hohe Wellen. „Protest: Gegen Abmahnungen anderer Seiten durch StudiVZ“, schreiben Mitglieder des VZ-Originals in ihr Profil. „Die ganze Geschichte ist lächerlich, haarsträubend, irrwitzig, gemein und wird sich letzten Endes zum PR-Desaster für StudiVZ auswachsen“, so ein Blogkommentator. Da es neben dem relativ neuen ErstiVZ noch andere soziale Netzwerke mit „VZ“ im Namen gibt, sorgen sich nun zahlreiche Seitenbetreiber um eine Abmahnung, die in den nächsten Tagen per Post zugestellt werden könnte. Und Peter Großhoff hält seine Freunde per Twitter-Kurzmitteilungen auf dem Laufenden.

Ist die Abkürzung „VZ“ überhaupt schutzwürdig?

Ob die StudiVZ-Beschwerde überhaupt berechtigt ist, bezweifeln manche Juristen: „Mir scheint, dass die Abkürzung ‚VZ‘ wenig prägend ist und der der Abkürzung zugrunde liegende Begriff ‚Verzeichnis‘ wegen seiner allgemeinen Bedeutung wohl auch eher nicht schutzwürdig ist“, vermutet beispielsweise der Kölner Markenrechts-Anwalt Alexander Taubitz.

Natürlich sei in den letzten Monaten der Begriff „StudiVZ“ oder „SchülerVZ“ recht bekannt geworden – „für die Betreiber mag es ärgerlich sein, wenn Nachahmer auf dieser Welle mitreiten“, räumt Taubitz ein. „Dies dürfte aber eher den wettbewerbsrechtlichen Bereich betreffen, und selbst da ist auch bei anderen VZ-Abmahnungen wie bei PokerVZ wegen der unterschiedlichen Zielrichtungen der Adressaten wohl eher keine Wettbewerbssituation vorhanden“, so der Anwalt.

In Münster hofften die StudiVZ-Selbstbastler am Freitag auf eine gütliche Einigung: „Falls es dazu nicht kommt, müssen wir versuchen, das Geld über eine Spendenseite aufzubringen“, sagte Peter Großkopf am Nachmittag SPIEGEL ONLINE und seufzte: „Rein menschlich gesehen hätten die sich auch direkt bei uns melden können, dann hätte man sofort eine Lösung gefunden, ohne Anwälte und ohne viel Geld.“

Sicherheitshalber bereiteten seine Freunde schnell die „Erste-Hilfe-Spenden“-Seite vor. Die muss nun doch nicht zum Einsatz kommen – am Freitagabend haben sich die StudiVZ-Anwälte mit den Münsteraner Studenten außergerichtlich geeinigt: „Die Gegenseite war sehr kooperativ, deshalb muss die Sache nicht vor Gericht gehen“, sagte StudiVZ-Sprecher Dirk Hensen SPIEGEL ONLINE.“

 Anmerkung:

Auch die Münsteraner Zeitung berichtet hier:

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