StudiVZ-Ableger: Neue Heimat für Jungprofis

Seit heute ist der neue Community-Ableger aus dem Hause Holtzbrinck online. Vor allem „young professionals“ will StudiVZ-CEO Marcus Riecke im „digitalen Zuhause“ begrüßen – so Daniel Steinmaier, Berlin in der SZ

 


vergrößern MeinVZ: neue Heimat für „young professionals“
Foto: StudiVZ

In den vergangenen Monaten machte StudiVZ vor allem mit schlechter Presse auf sich aufmerksam. Protestierende Nutzer und mäkelige Datenschützer drückten die Stimmung. Das soll jetzt anders werden. Marcus Riecke, CEO der erfolgreichsten Kommunikationsplattform in Deutschland, rückt sich den Hemdkragen zurecht. Gleich wird er das neue Netzwerk für all diejenigen vorstellen, die keine Studenten mehr sind. Und das Geheimnis lüften, wie das Verzeichnis für Ältere heißen soll.

„Pressekonferenz würde ich das nicht nennen“, sagt Riecke und zeigt auf das improvisierte Frühstücksbüffet auf den zusammengestellten Schreibtischen. Wie man sehe, habe alles hier noch „Start-up-Atmosphäre“. Im hinteren Raum des sanierten Industriealtbaus stehen dicht gedrängt Bürostühle für die Journalisten bereit, die zur Präsentation der neuen Community gekommen sind.

Sechs Monate habe man unter Hochdruck gearbeitet, sagt Marcus Riecke, um ein Angebot für die Zielgruppe „oberhalb von StudiVZ“ auf den Markt zu bringen. Seitens der Nutzer von StudiVZ, von denen 2,5 Millionen keine Studenten mehr sind, habe es immer wieder Nachfragen nach einem auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Produkt gegeben, erklärt Riecke. Wer sich bisher bei StudiVZ registrierte, ohne Stundent zu sein, musste mogeln – und das wolle man den Mitgliedern nicht zumuten.


„Digitales Zuhause“ für Berufstätige

Jetzt aber gibt es „MeinVZ“ – so der Name des neuen Produkts. Hier haben alle „young professionals“ ein „digitales Zuhause“, sagt Riecke. Im Nutzerprofil erscheinen nun nicht mehr Hochschule und Studienfächer, sondern die bisherige Karrierestationen – wenn man das möchte.

Nachdem StudiVZ in der Vergangenheit immer wieder von Datenschützern kritisiert wurde, hat das Unternehmen der Holtzbrinck-Verlagsgruppe nach eigenen Angaben bei der neuen Marke nachgebessert. Die Einstellungen, welche Daten der Nutzer der Öffentlichkeit zugänglich machen will, seien jetzt sehr „filigran“, sagt Riecke.

Dennis Bemmann, einer der Gründer von StudiVZ, demonstrierte an einem MeinVZ-Probeaccount, wie sich in den Einstellungen verhindern lässt, dass sich Fotos ungewollt im Internet verbreiten. „Jetzt können nur meine Freunde die Bilder sehen“, sagt der 29-jährige nach einem Mausklick in seinen Profileinstellungen.

So lasse sich etwa verhindern, dass Personalchefs an die Partybilder von Bewerbern kommen. Aber an Bemmanns Partybildern würde sich bestimmt kein Personaler stören. „In meinem Privataccount habe ich aber mehr Bilder“ sagt Bemmann.


Zweifel am Datenschutz

In MeinVZ und StudiVZ ist es jetzt auch möglich, sich durch Einstellungen gegen personalisierte Werbung zu wehren. Bisher nutzen das nach Firmenangaben aber nur 5 % der Nutzer. In den Standardeinstellungen ist die Option deaktiviert. Bemmann ist sich aber sicher, dass sich die meisten Nutzer ganz bewusst für personalisierte Werbung entscheiden.

Datenschützer haben daran jedoch Zweifel. Sie fürchten um die oft naiven Nutzer, die von sexuellen Vorlieben bis zu politischen Ansichten so ziemlich alles über sich preisgeben, ohne zu ahnen, dass ihre Daten genutzt werden. Aber bei MeinVZ soll das jetzt anders sein. Riecke kündigte eine „erweiterte Registrierung“ bei den Datenschutzrichtlinien an.

Neben Nachbesserungen beim Datenschutz ist vor allem neu, dass es MeinVZ auch auf Englisch gibt. Man habe aber nicht vor, den englischsprachigen Markt zu erobern. Vielmehr wolle man den Nutzern auch Kontakte außerhalb des deutschprachigen Raums ermöglichen.

Optisch unterscheidet sich MeinVZ kaum von StudiVZ. Man habe bewusst nur wenig verändert, sagt Riecke. Wegen seines „Look and Feel“ sei StudiVZ schließlich ein „unglaubliches Erfolgsmodell“. Auch MeinVZ, das mit StudiVZ vernetzt ist, soll eines werden.

Ob Berufstätige genug Zeit haben werden, um in MeinVZ täglich ihre Freunde zu „gruscheln“ – ein Kunstwort, meist als eine Zusammensetzung aus grüßen und kuscheln interpretiert -, Fotos zu verlinken oder ihre Selbstdarstellung zu optimieren, werde sich zeigen, sagt Riecke. „Wir lassen uns überraschen“.

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