Facebook stellt deutsche Seite ins Internet

Das soziale Netzwerk Facebook hat seine Seite in Deutschland gestartet., so FAZ-NET Bislang hat der Anbieter hierzulande nur rund 650.000 Nutzer, hofft aber auf einen Wachstumsschub. „Wir haben in Spanien beobachtet, dass unser Wachstum drastisch gestiegen ist, nachdem wir die spanische Seite freigeschaltet hatten“, sagte Javier Oliván, der bei Facebook für das internationale Geschäft verantwortlich ist.Facebook ist mit 66 Millionen aktiven Nutzern die zweitgrößte Online-Gemeinschaft, wächst aber deutlich schneller als der Weltmarktführer MySpace. Das Unternehmen wurde 2004 vom Harvard-Absolventen Mark Zuckerberg gegründet. Spätestens seit dem Einstieg von Microsoft, der das junge Unternehmen mit 15 Milliarden Dollar bewertet, gehört Facebook zu den besten Adressen im Internet. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr 150 Millionen Dollar Umsatz erzielt und peilt 2008 zwischen 300 und 350 Millionen Dollar an. Um das Wachstum zu forcieren, plant Zuckerberg 200 Millionen Dollar Investitionen und kann es sich leisten, 150 Millionen Dollar Verlust in Kauf zu nehmen. Die Zahl der Mitarbeiter soll von 450 auf mehr als 1000 Beschäftigte steigen.

Die Samwer-Brüder stellen ihr Wissen nun Facebook zur Verfügung

Facebook hat zwar inzwischen rund 60 Prozent seiner Nutzer außerhalb der Vereinigten Staaten. In Deutschland hat die Online-Gemeinschaft allerdings großen Rückstand hinter StudiVZ, das 2005 als Klon von Facebook gegründet wurde. Doch Oliván setzt vor allem auf Facebooks weit entwickelte Technik und die Internationalität. „Für viele Menschen, die schon in verschiedenen Ländern gelebt haben, ist es schön, alle ihre Freunde auf einem Platz im Internet versammelt zu haben“, sagte Oliván. Zudem hat sich Facebook die Unterstützung der Samwer-Brüder geholt, die einst StudiVZ finanziert haben und ihr Wissen nun Facebook zur Verfügung stellen.

Ob Facebook seinen großen Erfolg in den Vereinigten Staaten oder Großbritannien auch in Deutschland wiederholen kann, ist fraglich. Die Konkurrenz ist größer als in den anderen Ländern. Marktführer StudiVZ hat gemeinsam mit dem Ableger SchülerVZ inzwischen rund 8 Millionen Mitglieder, die im Durchschnitt mehr als 1000 Seiten je Monat aufrufen. Hier wirken die sogenannten Netzwerkeffekte: Je mehr Bekannte in einem Netzwerk registriert sind, desto eher lohnt sich die Mitgliedschaft. Längst hat StudiVZ viel mehr Mitglieder, als es Studenten in Deutschland gibt. Daher hat das Unternehmen in der vergangenen Woche – also gerade rechtzeitig vor Facebooks Markteintritt – als drittes Netzwerk MeinVZ gegründet, um neben Schülern und Studenten auch allen anderen Internetnutzern eine Kontaktplattform anzubieten.

Die Vermarktung der populären Netzwerke ist schwierig

Entgegen der Theorie hat der Netzwerkeffekt bisher aber nicht dazu geführt, dass sich alle Nutzer im größten Netzwerk treffen. Denn mit dem amerikanischen Weltmarktführer MySpace, der nach eigenen Angaben rund vier Millionen Mitglieder in Deutschland hat, der RTL-Beteiligung Wer-kennt-wen.de (1,5 Millionen Mitglieder) und dem Münchner Anbieter Lokalisten (1 Million Mitglieder) haben sich weitere soziale Netzwerke in Deutschland etabliert. StudiVZ, SchülerVZ und der Neueinsteiger Wer-kennt-wen.de legen weiterhin kräftig zu, während MySpace schon seit Monaten von vier Millionen Nutzern spricht, deren Zahl nach einer Messung von Nielsen Online zuletzt sogar gesunken ist. Auch die Lokalisten, an denen der Münchner Fernsehsender ProSieben Sat.1 beteiligt ist, stagnieren. Facebook liegt zum Start seiner deutschen Seite also nur an sechster Stelle im Markt.

Schwierig ist auch die Vermarktung der populären Netzwerke. Mit Online-Werbung hat StudiVZ 2007 etwa einen Euro Umsatz je Nutzer erzielt, also einen einstelligen Millionenbetrag. Facebook-Manager Oliván will sich zu den Umsatzerwartungen in Deutschland nicht konkret äußern. Markus Frank vom Werbepartner Microsoft hat allerdings klare Vorstellungen. „Der Umsatz soll natürlich siebenstellig sein“, sagte Frank, der schon im Februar mit der Vermarktung der Standard-Werbeformate an deutsche Kunden begonnen hat. „Im Verhältnis zu StudiVZ wollen wir je Nutzer mindestens einen doppelt so hohen Umsatz erzielen.“

Weiteres beim FAZ-Net zum Thema:

Facebook gegen StudiVZ: Das Duell des Jahres im Internet

Weltwirtschaftsforum: Die Generation Facebook stürmt Davos

Selbstdarstellung im Internet: Ich zeige alles von mir

StudiVZ: Viele Klicks, wenig Gewinn

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