Nacktfotos von mir im Netz oder StudiVZ-Stalker

über Nacktfotos von mir im Netz berichtet NTV-Online

Für die Magdeburger Studentin Melanie ist der tägliche Blick in StudiVZ eine Routine. Wie rund 80 Prozent aller deutschen Studenten hegt und pflegt Melanie Freundschaften über das Online-Portal, tauscht sich aus und vernetzt sich.

Im September des vergangenen Jahres geschieht Melanie etwas Beängstigendes: „Eine Freundin hatte mich angerufen und gesagt, dass ein zweites Profil von mir existiert.“ Sie war schockiert. Kurze Zeit dachte sie, dass sie vielleicht aus Versehen ein zweites Profil angelegt hatte. Doch sie hatte keinen Zugriff. Nicht einmal anschauen konnte sie es. „Für mich war es gesperrt. Ich konnte es über Freunde angucken. Mein Profil, meine Daten und Fotos, aber es war nicht von mir.“ Doch damit nicht genug. Der Betrüger hatte noch reichlich obszöne und vulgäre Äußerungen hinzugefügt. „Jeder hätte denken können, dass es von mir war“, erzählt Melanie verzweifelt.

Der Unbekannte hatte Melanies Daten einfach mit anzüglichen Fotos vermischt, die jemand ganz anderen zeigen. Melanie lässt das gefälschte Profil durch die Betreiberfirma StudiVZ löschen, doch der Unbekannte lädt es immer wieder hoch. Melanie ist machtlos. „Ich finde das besonders beängstigend, weil es für mich bedeutet, dass ich an diesem Punkt nichts mehr machen kann.“

Opfer eines Stalkers

Die Person hat ihre Daten jetzt für immer. Sie hat sie auf ihren Computer heruntergeladen und kann damit machen, was sie möchte. „Melanie ist Opfer eines klassischen Stalkers geworden, der offensichtlich nicht nur einen Scherz machen, sondern ihr persönlich übel mitspielen will“, meint Rechtsanwalt Udo Vetter.

Zivilrechtlich hat Melanie Unterlassungs- und auch Schmerzensgeldansprüche. Strafrechtlich kommt in Betracht, dass der Betreffende – wenn er wegen Stalkings erwischt wird – wegen Beleidigung oder Verleumdung verurteilt wird. Er muss sich also, wenn man ihm auf die Schliche kommt, durchaus Sorgen machen.

Viele Internetnutzer gehen viel zu arglos mit ihren Daten um. In sozialen Netzwerken dokumentieren sie ihr Leben und das ihrer Freunde. Ein gefundenes Fressen für Datenkraken wie etwa die Personensuchmaschine Spock, die alle Informationen speichert, die sie kriegen kann – und zwar auf unbestimmte Dauer. Das bleibt zum Beispiel bei Bewerbungen nicht ohne Folgen.

Folgen für den Berufsweg

Jochen Meismann ist Privatdetektiv. Zu seinen Auftraggebern gehören auch Firmen, die etwas mehr über künftige Mitarbeiter wissen wollen. Bei seinen Recherchen findet Meismann oft Jahre alte Spuren im Internet: „Die klassischen Spuren, die im Internet hinterlassen werden, sind beispielsweise Mitgliedschaften in obskuren Vereinigungen oder lockere Sprüche, die einfach nicht ins heutige Weltbild passen würden.“ Dazu gehören zum Beispiel diskriminierender Äußerungen. Das kommt besonders zum Tragen, wenn man später eine Führungsposition einnehmen möchte. Aber auch Fotos, auf denen zu sehen ist, dass die Person einen „sehr leichten“ Lebenswandel führt, können für einen Job disqualifizieren. Denn die zukünftige Personalchefin sollte nicht irgendwo nackt im Internet zu finden sein.

Was heute lustig ist, könnte in Zukunft zum Nachteil werden. Und was man einmal irgendwo im Netz über sich veröffentlicht, wird man später kaum wieder los. „Man hat zwar einen Löschungsanspruch, aber oftmals sind diese Daten kopiert, finden sich auf anderen Seiten wieder und der Anspruch ist faktisch nicht durchsetzbar“, weiß Bettina Gayk vom Landesdatenschutz NRW.

Wenn die Betreiber der Internetseiten, auf denen die Informationen gespeichert sind, noch in verschiedenen Ländern sitzen, ist es meist unmöglich, die Dinge aus dem Netz zu holen. Deshalb gilt immer: Vorher überlegen, was stelle ich über mich ein, damit ich hinterher nicht ein blaues Auge habe.

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