Aus Zahnarzt wird Mundarzt

Das Berufsbild des klassischen Zahnarztes gehört nach Ansicht von Experten der Vergangenheit an: „An der Universität Witten/Herdecke bezeichnen wir uns schon seit 1994 nicht mehr als Zahn-, sondern als Mundärzte“, sagte der Dekan für Zahn-, Mund und Kieferheilkunde (ZMK), Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Gängler, in Witten.

Die Mundhöhle sei das wichtigste Organ zur Kommunikation des Menschen mit der Umwelt und das früheste Warnsystem für schwere Allgemeinerkrankungen. Karies und Zahnlockerung seien wesentlich bestimmt von den Abwehrkräften des menschlichen Körpers.

Die Notwendigkeit für einen Wandel des Berufsbildes und damit verbunden auch für eine bessere Ausbildung, ergibt sich laut Gängler aus der Entwicklung der Biologie und Medizin in den letzten Jahrzehnten: „Mund- und Zahnzustand des Menschen sind wichtige Indikatoren für Erkrankungen in anderen Körperregionen. Bei der Erforschung genetischer Zusammenhänge stehen wir noch ziemlich am Anfang. Ich plädiere dafür, diese Forschung in den nächsten Jahren deutlich zu verstärken, um die komplexen Wechselwirkungen weiter aufzudecken und therapeutisch zu nutzen“, so Gängler, der im vergangenen Jahr wegen seiner Verdienste um die Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde mit der Ehrendoktorwürde der Ignaz Semmelweis-Universität in Budapest ausgezeichnet wurde.

Schon heute trägt sowohl die Forschung als auch die Lehre in der Wittener ZMK-Fakultät dem Aspekt der Vernetzung mit anderen Disziplinen Rechnung. So besteht mit dem kulturwissenschaftlichen Studium fundamentale und der medizinischen Fakultät der Universität Witten/Herdecke eine enge Kooperation. „Wir haben die in der gesamten Europäischen Union intensivste Ausbildung in den Bereichen Innere Medizin, Rehabilitationsmedizin, Dermatologie, Chirurgie sowie Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde“, so Gängler.

In der Region Ruhr gibt es zudem über Disziplingrenzen hinweg Kooperationen mit dem Max-Planck-Institut (MPI) in Dortmund im Bereich molekularbiologischer Forschung und mit der Industrie bei der Erforschung und Anwendung neuer Biomaterialien. Die Wittener ZMK-Fakultät ist Bestandteil des Netzwerks Biomedizin und im Zusammenhang mit dem neuen Zahnmedizinisch-Biowissenschaftlichen Forschungs- und Entwicklungszentrum (ZBZ) in Universitätsnähe eine tragende Säule im „Biomed Triangle“ Ruhr. Kooperationen der Fakultät bestehen darüber hinaus in die ganze Welt, z.B. mit der School of Dental Medicine in Boston und der School of Dentistry der University of Northern Carolina at Chapel Hill.

Das Herzstück der Wittener ZMK-Ausbildung bildet der so genannte „Integrierte Kurs“ – ein europaweit einmaliger didaktischer Ansatz in der Mund- und Zahnheilkunde. Dekan Gängler: „Studierende ab dem siebten Semester behandeln bei uns Patienten wie in der Arztpraxis. Der Student übernimmt sogar eine Art Patenschaft für den Patienten, d.h. er betreut und begleitet ihn durch die gesamte Behandlungskette.“ Immer mehr Hochschulen übernehmen das Wittener Ausbildungsmodell – es wird auch Bestandteil der neuen Approbationsordnung für Zahnärzte.

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