Hatten Hobbits schon „Plomben“?

Die Herkunft der zwergenhaften Flores-Menschen bleibt unklar.

War der „Hobbit“ vor 18.000 Jahren beim Zahnarzt und hat sich einen Backenzahn plombieren lassen? Natürlich nicht, so weit entwickelt war die Zahnheilkunde damals nicht. Wenn er also eine Plombe hat – der Zwergmensch, der vor vier Jahren auf der indonesischen Insel Flores gefunden wurde und offiziell Homo floresiensis heißt–, dann kann er nicht 18.000 Jahre alt sein. Das klingt wirr, und das ist es auch: Seit dem Fund wird darüber gestritten, ob dieser ein Meter kleine Mensch mit seinem grapefruitkleinen Gehirn zu einer eigenen Art gehörte, die ausgestorben ist – oder ob er einer von uns war, der an Krankheiten litt.

Die Forschermehrheit hält ihn für eine eigene Art, aber es gibt Skeptiker. Zu ihnen gehört Maciej Henneberg (Adelaide), er will auf einem Foto vom Gebiss des „Hobbit“ eine Zahnplombe entdeckt haben. Peter Brown (auch Adelaide), ein Vertreter der Mehrheit, weist das zurück, er hatte das Gebiss in der Hand, er hat es gereinigt (ScienceNow, 24.4.). Unterstützt wird er von Jukka Jernvall (Helsinki), der im „Hobbit“-Gebiss einen Menschen von guter Gesundheit sieht. Jernvall ist kein Anthropologe, sondern auf die Entwicklung des Gebisses spezialisiert: Der erste Backenzahn bestimmt die Größe des zweiten und dritten, so ist das bei gesunden Menschen. Stört irgendetwas die Entwicklung, zeigt sich das in den Zähnen. Bei H. floresiensis zeigt sich nichts, er war nicht krank, sondern demnach doch eine eigene Art.

Wie ein Clown in großen Schuhen

Eine sehr eigene, er war schlecht zu Fuß. William Jungers (New York) hat das Gehwerkzeug des „Hobbit“ analysiert: Der Unterschenkelknochen ist (verhältnismäßig) viel länger als bei uns, der „große Zeh“ sehr kurz, die Sohle nicht gewölbt. Gut gehen konnte man damit nicht, eher wie ein Clown in zu großen Schuhen, berichtete Jungers auf einer Tagung in Columbus (Science (320, S.433): „Die Morphologie ist die eines sehr primitiven aufrecht gehenden Fußes.“

Aber wie primitiv bzw. alt? Zwei bis drei Millionen Jahre, Jungers sieht Ähnlichkeiten mit Homo habilis oder gar mit Australopithecus. Aber sind die so früh aus Afrika nach Flores gewandert – teilweise per Schiff – und auf der Insel verzwergt? Das glaubt auch wieder niemand, auf der Konferenz blieb offen, von wem der „Hobbit“ abstammte. Vielleicht klärt es sich bald: Im Sommer wird in der Fundhöhle wieder gegraben. jl

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 26.04.2008)


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