Netzgeflüster: Karriereknick „dank“ StudiVZ

Dass das Web 2.0 keine Privatsphäre kennt, zeigt eco in seiner Kolumne am Beispiel eines hessischen Jungpolitikers. Seine Mitgliedschaft in sogenannten Spaßgruppen bei StudiVZ hatte für ihn unangenehme Folgen – so das Netzgeflüster im Göttinger Tagblatt.

mmer wieder und immer öfter wird davor gewarnt, im Netz allzu private Spuren zu hinterlassen. Das Internet vergisst eben nichts, und was einmal dort veröffentlich worden ist, lässt sich später nur schwer wieder löschen oder korrigieren. Dennoch leiden viele besonders in Netzwerken wie SchülerVZ oder StudiVZ unter einem ausgewachsenen Offenbarungswahn, verraten also ihre Vorlieben und Neigungen, auch sexuelle, präsentieren in ihren Profilen Fotos, die man eigentlich nur guten Freunden zeigen sollte. Und wenn dann diese Dinge plötzlich von Schlimmfingern böse ausgenutzt werden, ist der Katzenjammer groß.

Genau das musste nun der Jungpolitiker Thomas Müller erfahren, der bisher  Geschäftsführer des CDU-Kreisverbandes Schwalm-Eder und stellvertretender Landesvorsitzender der Jungen Union Hessen gewesen ist. Und der offenbar einen recht eigenwilligen Humor pflegt, der ihm jetzt zum Verhängnis wurde. Auch Müller ist Mitglied bei StudiVZ und dort bei diversen und äußerst beliebten Spaßgruppen. Doch leider hat er sich die falschen ausgesucht. Gruppen nämlich mit Namen wie „Nach Frankreich fahr ich nur auf Ketten“, „Krieg ist scheiße, aber der Sound ist geil“, „Brot für die Welt – Fleisch für mich“ oder „Wär’ ich Kreuzritter gewesen, hätten wir Jerusalem noch“. Das ist natürlich lustig gemeint, und wäre wohl auch nicht weiter schlimm, wenn Müller eben nicht ein aufstrebender Politiker wäre. Und als Politiker muss man halt in der Öffentlichkeit besonders vorsichtig sein, auch und gerade wenn es um den privaten Humor geht.

Irgendwie wurde Müllers Mitgliedschaft in diesen vermeintlich kriegerischen Gruppen nämlich bekannt. Und dann war für ihn schnell Schluss mit lustig.  Oder wie es der örtliche CDU-Bundestagsabgeordnete Bernd Siebert in der Lokalpresse formulierte: „Ich kenne solche Internetseiten nicht, aber bei Bezeichnungen wie ,Nach Frankreich fahr ich nur auf Ketten‘ hat der Spaß schon lange aufgehört.“ Für ihn sei zudem völlig unverständlich, „wie sich ein Mensch mit einer solchen politischen Funktion überhaupt auf solchen Internetseiten tummeln könnte“.

Müller, der nach eigenen Worten in diese Gruppen von irgendwelchen Leuten eingeladen worden ist und sich darüber keine weiteren Gedanken gemacht hat, ist inzwischen seine Parteiposten los. Und hoffentlich um eine Erfahrung reicher: Im Web 2.0 und damit auch in den dazugehörigen verschiedenen Netzwerken gibt es keine Privatsphäre! Und wer sich dort herumtreibt, sollte lieber ganz schön vorsichtig sein. Vor allem wenn er noch Karriere machen möchte. – Mehr dazu findet man hier.

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