Innovative Gebäude für die Ausbildung der Zahnärzte von morgen


Gemeinsamer Workshop des Zentrums der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (ZZMK) Carolinum der J. W. Goethe-Universität Frankfurt/Main und der HIS Hochschul-Informations-System GmbH

Struktur und Inhalte des Zahnmedizinstudiums werden immer noch von der Zahnärztlichen Approbationsordnung aus dem Jahr 1955 bestimmt. Die längst überfällige Novelle wird zwischen Gesundheits- und Wissenschaftsministerien beraten. Auf Einladung von HIS und dem ZZMK Carolinum diskutierten Hochschullehrer, Kammerpräsidenten und Vertreter der Wissenschaftsministerien folgende Fragen: Wie sieht das Zahnmedizinstudium der Zukunft aus? Welche Masterstudiengänge können die Hochschulen niedergelassenen Zahnärzten anbieten? Welche Gebäudekonzepte erfordern die neuen Lehr- und Lernformen und was kosten sie?

Professor Hans-Christoph Lauer vom ZZMK Carolinum erläuterte die Leitgedanken der neuen Approbationsordnung für das Zahnmedizinstudium der Zukunft. Das Konzept sieht vor, dass die ersten vier Semester weitgehend mit dem Medizinstudium übereinstimmen. Die Kompatibilität mit dem Medizinstudium, die Reduktion des zahntechnischen Unterrichts, problemorientiertes Lernen in Kleingruppen, umfassende E-Learning-Angebote sowie integrierte Behandlungskurse im klinischen Studienabschnitt werden die Studierenden auf die veränderten Anforderungen der zahnärztlichen Tätigkeit vorbereiten.

Mit dem Neubau der Greifswalder Zahnklinik stellte Professor Reiner Biffar vom ZZMK der Universität Greifswald ein Beispiel für die bauliche Umsetzung der veränderten Lehr- und Lernformen vor. Den Mittelpunkt des Neubaus bilden vier Lehrpraxen mit Behandlungsstühlen, Service- und Seminarräumen, in denen Studierende und wissenschaftliche Mitarbeiter Patienten in interdisziplinären Kleingruppen behandeln.

Die zukünftige Bedeutung der postgradualen Weiterbildung für die universitären Zahnkliniken beschrieb Professor Detlef Heidemann vom ZZMK Carolinum. Deutlich wurde, dass sich Masterstudiengänge in Vollzeit- oder Teilzeitformen auch in Zukunft nur an Zahnärzte mit abgeschlossenem Staatsexamen wenden werden. Diesen bieten sie allerdings interessante Möglichkeiten, sich zu spezialisieren. Zugleich stärken diese Studiengänge die Position der deutschen Zahnkliniken im weltweiten Bildungsmarkt.

Wie die mediale Zukunft der zahnmedizinischen Weiterbildung aussehen kann, demonstrierte Dr. Bernd Kleimann am Beispiel des Freiburger Studiengangs „MasterOnline Parodontologie“: Praktizierende Zahnärzte eignen sich, unterstützt von im Bereich der virtuellen Lernprozesse geschulten Teletutoren, neueste wissenschaftliche Erkenntnisse über eine Lernplattform an. In Präsenzphasen an der Universitätsklinik wird die praktische Umsetzung trainiert.

Dr. Horst Moog von HIS präsentierte eine differenzierte Flächenbemessung für die zahnmedizinische Forschung, Lehre und Patientenbehandlung. Mit Szenarienrechnungen wurde der Flächenbedarf des derzeitigen und des zukünftigen Zahnmedizinstudiums exemplarisch gegenübergestellt. Deutlich wurde, dass zukünftig weniger Praktikumsplätze und Behandlungsstühle, aber mehr Gruppen- und Seminarräume benötigt werden. Wegen der unterschiedlichen Ausstattungskosten der verschiedenen Raumtypen kann eine exakte Bedarfsbemessung sowohl bei Neubau- als auch bei Sanierungsmaßnahmen zu erheblichen Kostenersparnissen führen.

Inhalte und Realisierbarkeit der geplanten neuen zahnärztlichen Approbationsordnung wurden von den anwesenden Hochschullehrern, Kammerpräsidenten und Vertretern der Wissenschaftsministerien lebhaft und zum Teil kontrovers diskutiert. Dabei lautete eine der Kernfragen, ob die Forderungen des Entwurfs, der bereits von den Fachgremien und -verbänden unterzeichnet wurde, studierbar und vor allem finanzierbar sind. „An Kleinigkeiten sparen, um das Große realisieren zu können“ lautete dazu die Empfehlung von Professor Biffar.

Die Vortragsunterlagen stehen als Download zur Verfügung

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