Umsetzung der Fluoridprophylaxe durch Kinder- und Zahnärzte zeigt Diskussionsbedarf – gute Anamnese und Risikoabschätzung

aus der DZW:

Aufgrund der bestehenden Diskrepanzen zwischen Kinder- und Zahnärzten bei den Empfehlungen zur Kariesprophylaxe mit Fluoriden bei Kleinkindern haben Zahnmediziner aus der Arbeitsgruppe um Prof. Christian Splieth (Präventive Zahnmedizin und Kinderzahnheilkunde, Greifswald) und Dr. Anja Treuner die aktuelle Umsetzung der Empfehlungen der entsprechenden Fachgesellschaften (DGZMK; DAKJ) in der Praxis analysiert. Die Studie erhielt den zweiten Platz des diesjährigen Wrigley Prophylaxe-Preises im Bereich Öffentlicher Gesundheitsdienst/Praxis.

Für die Untersuchung wurden an je 100 niedergelassene Pädiater und Zahnärzte aus dem Ärzte- beziehungsweise Zahnärzteregister Mecklenburg-Vorpommerns Fragebogen zur Fluoridempfehlungen bei Kindern zwischen 0 und 5 Jahren verschickt. Neben den Rezeptierungen von Fluorid/ Vitamin-D-Tabletten in den einzelnen Altersgruppen wurden ebenfalls Empfehlungen zum Zähneputzen, Risikoabschätzungen, die Befragung der Eltern nach der Fluoridgabe, sowie die Aufklärung möglicher Risiken beziehungsweise Nebenwirkungen bei Überdosierung erfasst. Insgesamt beantworteten 68 Prozent der (Kinder-)Ärzte und 38 Prozent der Zahnärzte diesen anonymen Fragebogen mit mehrheitlich kategorisierten Antwortmöglichkeiten.

Die Zahnärzte halten sich mehrheitlich an die Empfehlungen der DGZMK, verschreiben kaum Fluoridtabletten (weniger als 20 Prozent) und favorisieren den Gebrauch von fluoridhaltiger Kinderzahncreme (92 Prozent) ab dem ersten Milchzahn. Die Kinderärzte sind dagegen geteilter Meinung: 48,4 Prozent verschreiben stets für bis sechs Monate alte Kleinkinder ein Vitamin-D-Monopräparat ohne Fluorid, 33,3 Prozent auch für sechs bis 18 Monate alte Kleinkinder. Das Kombinationspräparat mit Fluorid präferieren dagegen immer für das Alter von bis zu einem halben Jahr beziehungsweise sechs bis 18 Monate 23,4 Prozent beziehungsweise 37,5 Prozent der Kinderärzte, wobei zusätzlich in 33 Prozent auch noch die fluoridhaltige Kinderzahnpaste empfohlen wird.

Sowohl Kinder- als auch Zahnärzte geben eine fast musterhafte Anamneseerhebung und Risikoabschätzung an. Die Kinderärzte orientieren sich dabei vorzugsweise am Sozialstatus (54,3 Prozent), während die Zahnärzte klinische Parameter wie Karies (73,7 Prozent) und Plaque (56,8 Prozent) deutlicher einbeziehen.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass im Gegensatz zu den Zahnärzten, die relativ einheitlich die lokale Fluoridierung über den frühen Einsatz von Kinderzahnpaste umsetzen, bei den Kinderärzten eine deutliche Zweiteilung zwischen traditioneller Rezeptierung der Fluoridtablette und dem lokalen Ansatz über die fluoridierte Kinderzahnpaste besteht. Beide Arztgruppen sehen kaum Risiken im Fluorideinsatz bei Kleinkindern, führen laut eigenen Angaben individuelle Anamnesen, Risikoeinschätzungen und Aufklärungen durch, kennen aber kaum die Grenzdosen für Dentalfluorose oder den Fluoridgehalt im Trinkwasser. Die vorliegenden Daten liefern die Grundlage für eine weitere Diskussion um eine konsensuale Lösung der Fluoridempfehlungen für Kleinkinder.

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