Die große Sause der US-Studenten

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Wie eine Heuschreckenplage fallen amerikanische Studenten im April zu Hunderttausenden in die Strandhotels von Florida ein. Ihr einziger Wunsch: Babewatch, Party, schneller Sex, Trinken bis zum Delirium. Die vergnügungssüchtige Meute ist überall, wo die Sonne lacht – und sie benimmt sich überall daneben.

„Spriiiiiiiiiin‘ Breaaaaak in Panama Cityyyyyyy!“, brüllt der junge Mann. Es ist der Urschrei eines angehenden Akademikers. Er und weitere 500.000 Studenten sind in Panama City eingefallen. Ein Strandnest hoch im Norden von Florida, am Golf von Mexiko.

Panama City gilt als Welthauptstadt des Spring Break: Man mietet sich zu viert oder sechst in billigen Hotel- oder Motelzimmern ein und kauft Bier und Kartoffelchips – die Hauptnahrungsmittel in dieser Zeit. Man feiert nachts in den vielen Bars und Diskos und holt den Schlaf vormittags am Strand nach. Nachmittags nimmt man an „Wet-T-Shirt“-Wettbewerben oder Volleyball-Meisterschaften teil.

Spring Break hat eine lange Tradition in den USA. Schon die Großeltern und Eltern hauten in den Frühjahrssemesterferien auf den Putz. Vor 40 Jahren allerdings nicht zu Hip Hop, wie in diesem Jahr, sondern zu Frankie Avalon und anderen gut gescheitelten jungen Männern in gestärkten Hemden. Da die Eltern ahnen, was heute los ist, müssen die meisten Studentinnen und Studenten zu Hause anrufen und bekannt geben, dass sie noch leben und nicht an einer Alkoholvergiftung starben.

Nachtclub braucht 75 Rausschmeißer

„Meine Eltern machen sich Sorgen“, gibt eine junge Frau zu, „deshalb telefonierte ich heute gleich zweimal mit ihnen.“ Die Ängste sind nicht unbegründet, weiß Hotel-Manager Russ Smith. Während dieser Zeit wird viel Alkohol getrunken, und es passiert auch sonst noch eine ganze Menge. „Wenn Eltern den Eindruck haben, dass ihre Kinder noch nicht soweit sind, sollten sie diese Reise lieber verbieten!“.

Bikini-Wettbewerb

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Stets beliebt beim Spring Break (in Cancun): Bikini-Wettbewerb

Das ist jedoch leichter gesagt als getan. Panama City mag derzeit zwar am beliebtesten unter Spring Breakern sein, aber die amerikanischen Studenten reisen überall hin, wo es warm ist: San Diego in Südkalifornien, Key West am Zipfel von Florida und Corpus Christi an der texanischen Golfküste. Und sie benehmen sich überall daneben, sagt Lee Sullivan, Bürgermeister von Panama City: „Es kann nicht angehen, dass junge Leute nachts nackt durch die Stadt laufen. Wer das für witzig hält, sollte sie in seiner eigenen Stadt so rumlaufen lassen!“.

Die Toleranzschwelle ist hoch in Panama City, aber alles hat seine Grenzen. Allein im letzten Jahr mussten mehr als 1500 Spring Breaker vorübergehend festgenommen werden, unter anderem wegen Drogenbesitzes und Erregung öffentlichen Ärgernisses. Um die Studenten in den Griff zu kriegen, hat die beliebteste Disko 75 (!) Rausschmeißer auf der Gehaltsliste. Und die, erklärt Geschäftsführer Paul Winterman von La Vela, dem größten Nachtclub der USA, reichen kaum aus.

Wenn die Studenten gehen, kommen die Handwerker

Während des Spring Breaks muss Nacht für Nacht ein Dutzend junger Leute in die Stadtklinik gebracht werden. „Die meisten werden wegen Alkoholvergiftungen eingeliefert“, sagt Dr. Michael White von der Notaufnahme, „auf Platz zwei und drei liegen Sonnenbrände und Drogenüberdosen.“

Trinken ist dort schon mit 18 erlaubt

AP

Bonus für Cancun: Trinken ist dort schon mit 18 erlaubt

Kein Wunder, dass einige Städte, die früher zu den Spring Break-Hochburgen zählten, inzwischen lieber „nein danke“ sagen. Fort Lauderdale, nördlich von Miami, hatte schon vor Jahren die Nase voll und verstärkt in den drei Wochen vor Ostern sein Polizeiaufgebot. Das schreckt ab. In diesem Jahr sind noch nicht einmal 15.000 Spring Breaker hierher gekommen.

Obwohl die jungen Leute Millionen Dollar in die lokale Wirtschaft pumpen, möchten auch andere Städte lieber in Ruhe gelassen werden. Denn eines ist so sicher wie der Spring Break: Sobald die Studenten wieder abgezogen sind, müssen die meisten Hotels von Grund auf renoviert werden.

Von Gunnar Schultz-Burkel,
„Campus & Karriere“ / Deutschlandfunk

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