Fecht-Olympiasiegerin Funkenhauser mit Comeback: Zahnärztin in Peking

Vor 20 Jahren raubten ihr die Florett- Kolleginnen den letzten Nerv, bei den Spielen in China fühlt Zita Funkenhauser den deutschen Olympioniken auf den Zahn. Die Fecht- Olympiasiegerin von 1984 und 1988 wird als promovierte Zahnärztin die Athleten im deutschen Haus in Peking behandeln. Ob Spitzensportler ihre Zähne besonders gut pflegen und ihr nur wenig Arbeit bescheren, darüber ist sich die Tauberbischofsheimerin nicht sicher. «Das ist ein Trugschluss! Der Sportler geht zwar bewusster mit seinem Körper um, aber ob das auch die Zähne betrifft, weiß ich nicht…»

Die Mutter der 12-jährigen Zwillinge Greta und Leandra wird mit vier Kollegen eines Bremer Dentalunternehmens Athleten, Funktionären und Betreuern zur Verfügung stehen und jederzeit per Not-Telefon erreichbar sein. Als Studentin der Zahnmedizin begleitete sie ihren heutigen Ehemann Matthias Behr 1988 zu einem koreanischen Zahnarzt in Seoul. «Für einen Athleten ist es angenehmer, mit einem deutschen Zahnarzt in der Muttersprache reden zu können», erinnert sie sich.

Auf ihr zehntägiges Olympia-Comeback freut sich Zita Funkenhauser: «Es ist ein sehr schönes Gefühl, es schlägt den Bogen zurück zur Vergangenheit. Es ist aufregend und erleichtender.» Der Blick zurück ist gleichermaßen geprägt von Freude und tiefer Trauer. 1984 holte sie als gerade einmal 18-Jährige in Los Angeles Olympia-Gold mit der Mannschaft. Vier Jahre später endete der Traum vom Einzel-Gold in Tränen.

Die Favoritin unterlag im Halbfinale der Tauberbischofsheimer Außenseiterin Sabine Bau und wollte danach sogar das Florett nicht mehr in die Hand nehmen. Ihr späterer Ehemann Matthias Behr und der inzwischen verstorbene Bundestrainer Emil Beck mussten sie erst mühsam überreden, zum Gefecht um Bronze noch einmal anzutreten. «Ich wollte nicht mehr. Damals war die Enttäuschung so groß, heute bin ich glücklich mit dem, was war», sagt Zita Funkenhauser über die zunächst wenig geliebte Bronzemedaille. Sie, Olympiasiegerin Anja Fichtel und die Zweite Sabine Bau gewannen nach dem historischen Einzel-Triumph auch noch Gold mit der Mannschaft.

Anfeindungen und Zickereien von damals «(Fichtel: «Das war teilweise schon Psychoterror.») sind schon lange ad acta gelegt. «Ich behandele in meiner Praxis Anjas Kinder, sie trainiert meine Töchter», berichtet Funkenhauser, die sich mit den Rivalinnen von einst im September trifft, um in gemeinsamen Erinnerungen zu schwelgen. Ihre deutschen Nachfolgerinnen sind 20 Jahre später in Peking eher Außenseiter. «Die Mannschaft kann ohne Druck fechten», sagt die dreimalige Team-Weltmeisterin und hofft, doch noch für die Damenflorett-Wettbewerbe am 12. und 16. August Tickets zu ergattern.

In ihrer Praxis als Zahnärztin in Tauberbischofsheim hat sie oft Kontakt mit Athleten des dortigen Olympiastützpunktes. Spitzensportler seien schon besondere Patienten, findet Zita Funkenhauser: «Sie sind nicht wehleidiger, aber sie achten mehr auf ihren Körper. Sie sind ungeduldiger, weil sie gewohnt sind, dass es bald weiter gehen soll.»

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s