„Als Tiger gestartet, als Bettvorleger gelandet“

SPD und Lehrerverbände haben die Ergebnisse des nationalen Bildungsgipfels als mutlos bewertet. Nur die Union gibt sich optimistisch.
Die Ergebnisse des Bildungsgipfels von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der Länder sind auf zum Teil scharfe Kritik gestoßen. Vor allem SPD-Politiker zeigten sich unzufrieden. Sie vermissen konkrete Vereinbarungen und Finanzierungszusagen.Die Bundesvorsitzende der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Bildung, Eva-Maria Stange, kommentierte: „Als Tiger gestartet, als Bettvorleger gelandet – dieser Bildungsgipfel bleibt am Ende eine herbe Enttäuschung.“

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) kritisierte vor allem, dass es noch keine Einigung zur Finanzierung gebe. Mecklenburg-Vorpommerns Regierungschef Erwin Sellering (SPD) monierte eine mangelnde Unterstützung des Bundes für Kinder aus armen Familien.

Kritik kam aber auch vom Deutschen Lehrerverband und vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Der Bildungsgipfel ändere nichts am eklatanten Lehrermangel an den Schulen, kritisierte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, in der Stuttgarter Zeitung. „Der Bildungsgipfel ist in der Geschichte eine unbedeutende Fußnote.“

Nur CDU-Politiker optimistisch

Der Präsident des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft, Arend Oetker, bedauerte: „Bund und Länder zeigen sich mutlos. Sie haben das Ziel aufgegeben, mehr junge Leute zur Aufnahme eines Studiums zu motivieren.“
Nur CDU-Politiker sahen den Bildungsgipfel als Erfolg an. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) wertete das Treffen als „zukunftsweisendes Signal“. Auch Nordrhein-Westfalens Regierungschef Jürgen Rüttgers (CDU) sprach von einem „großen Fortschritt“. Baden-Württembergs Kultusminister Helmut Rau (CDU) betonte: „Meine Erwartungen sind erfüllt worden.“

Sein Amtskollege Henry Tesch (CDU) aus Mecklenburg-Vorpommern sagte, in Dresden seien Vereinbarungen getroffen worden, „die schon lange auf der Dringlichkeitsliste stehen und auf eine höhere Qualität in der Bildung abzielen“.

Merkel und die Länderregierungschefs hatten sich darauf verständigt, dass die Ausgaben für Bildung und Forschung bis 2015 auf zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts erhöht werden sollen. Derzeit werden für Bildung 6,2 und für Forschung 2,7 Prozent ausgegeben. Umstritten ist noch, welchen Anteil davon der Bund und welchen Betrag die Länder übernehmen sollen.

Vereinbart wurde ferner, den milliardenschweren Bund-Länder-Hochschulpakt zur Schaffung zusätzlicher Studienplätze und zur Verbesserung der Hochschulforschung über 2012 hinaus bis 2020 zu verlängern. Weitere Vereinbarungen betreffen Sprachkurse für Migrantenkinder und benachteiligte Jugendliche, verbindliche Sprachtests vor der Einschulung, die Halbierung der Abbrecherzahlen in Schule und Lehre durch mehr vorbeugende Hilfen sowie nachträgliche Bildungschancen für Arbeitslose.

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), erläuterte, viele Beschlüsse von Dresden seien von der KMK entwickelt worden. „Insofern haben sich die Bemühungen der Kultusministerkonferenz gelohnt.“ Der Präsident des Deutschen Industrie und Handelskammertages (DIHK), Georg Ludwig Braun, mahnte in der Rheinischen Post, dass die guten Ideen des Gipfels nicht im Streit um die Finanzierung auf der Strecke bleiben dürften.

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