STUDIENGEBÜHREN: Schavan gibt brisante Studie frei

Studiengebühren halten Abiturienten vom Studieren ab. Bis zu 18.000 von ihnen entschieden sich im Jahr 2006 wegen der Campusmaut gegen ein Studium, belegt eine Untersuchung des HIS. SPD und Opposition werfen Ministerin Schavan erneut vor, die Studie unterdrückt zu haben.

Studiengebühren schrecken Studieninteressierte ab. Das belegt das Hochschulinformations-System (HIS) in einer gut 60-seitigen Studie, die das Bundesbildungsministerium am Freitag veröffentlichte. Die Hannoveraner Bildungsforscher stellten fest, dass 6000 bis 18.000 Studienberechtigte im Jahr 2006 nicht an eine Hochschule gingen, weil ihnen die finanzielle Last durch die Studiengebühren als zu hoch erschien.

Besonders einschüchternd wirken die Gebühren auf zwei bestimmte Gruppen, nämlich junge Frauen und Abiturienten, deren Eltern keine Uni besucht haben. Und: Die Studiengebühren verunsichern auch Studienberechtigte in Bundesländern, in denen es keine Campusmaut gibt.

Damit liegt jetzt offiziell vor, was schon seit knapp zwei Wochen bekannt ist: Dass das Bezahlstudium einer der Gründe ist, die Studienberechtigte von einem Hochschulstudium abhalten. Ein Ergebnis, dass Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) als Auftraggeberin der Studie ungelegen kommt, ist die Ministerin doch eine Befürworterin allgemeiner Studiengebühren, die derzeit in sechs Bundesländern in einer Höhe von bis zu 500 Euro erhoben werden. Interessierte Kreise hatten dafür gesorgt, dass der Kern der Studie, nämlich die abschreckende Wirkung des Studenten-Obolus, schon vor dem Bildungsgipfel in Dresden bekannt wurde. Kritiker warfen Schavan daraufhin vor, sie habe schlechte Presse vor dem Bildungsgipfel vermeiden wollen.

Laut den Hannoveraner Bildungsforschern des HIS haben knapp vier Prozent aller Studienberechtigten im Jahr 2006 angegeben, wegen der Gebühren auf ein Studium zu verzichten. Schavan sagte hierzu: „Es zeigt sich: Studierende erwarten im Gegenzug zu den Studiengebühren mehr Qualität an ihren Hochschulen.“ Das sei ihr gutes Recht.

Insgesamt ließ im untersuchten Jahr knapp jeder fünfte Studienberechtigte eines Jahrgangs das Ticket für den Besuch einer Hochschule ungenutzt. Das Ministerium betonte hierzu, die Studiengebühren kämen erst auf Platz fünf der Verzichtsgründe der Abiturienten.

Der Großteil der Berechtigten gibt demnach an, möglichst schnell Geld verdienen zu wollen (70 Prozent), gut die Hälfte möchte lieber gleich praktisch arbeiten, als die Hörsaalbank zu drücken (51 Prozent). Jeder Dritte fürchtet die lange Dauer eines Studiums, 28 Prozent brauchen für ihr Berufsziel kein Studium – und bei jedem Vierten (26 Prozent) überschreiten die Gebühren ihre finanziellen Möglichkeiten. Weitere 24 Prozent geben an, ihnen fehlten die finanziellen Voraussetzungen.

Schavan sagte weiter: „Aus sozialen Gründen darf niemand vom Studium abgehalten werden.“ Unter anderem seien die BAföG-Sätze erhöht worden. SPD-Fraktionsvize Christel Humme und SPD-Bildungsexperte Jörg Tauss warnten: „Studiengebühren verschärfen eindeutig die Benachteiligung von jungen Menschen aus bildungsfernen Elternhäusern beim Übergang zum Studium.“ Die Zahl „verlorener“ Studenten müsse als Alarmsignal verstanden werden. Die SPD-Politiker erneuerten den Vorwurf, Schavan habe die Studie unterdrückt und die Auseinandersetzung zum Thema auf solider Faktenbasis „selbst erheblich erschwert“.

Der linksorientierte Studentenverband fzs sagte, nun sei öffentlich und repräsentativ in aller Ausführlichkeit belegt, dass Gebühren vom Studium abschrecken.

Die Bildungsexpertin der Linken, Nele Hirsch, sagte: „Die Forschungsergebnisse lassen nur einen Schluss zu: Wer nicht will, dass junge Menschen aus sozialen Gründen vom Studium abgehalten werden, muss sich für ein gebührenfreies Studium einsetzen.“ Grünen-Experte Kai Gehring warf Schavan „skandalöse Desinformationspolitik“ vor.

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Eine Antwort zu “STUDIENGEBÜHREN: Schavan gibt brisante Studie frei

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