Praktikum im „Miami Beach Dental Institute“, Florida, U.S.A.

Famulaturbericht von Vera Neckermann (8.Sem. ZM, Uni Ulm)
Bericht über das Praktikum im „Miami Beach Dental Institute“, Florida, U.S.A. im Zeitraum
von 01.08.2008 bis 28.09.2008
Das „Miami Beach Dental Institute“ liegt in der Arthur Godfrey Road (W 41st Street) in
Miami Beach in Florida, U.S.A. Das Praxisteam besteht aus fünf Zahnärzten (Dr. Nassery,
Dr. Laurence, Dr. Davis, Dr. Kaufman, Dr. Rassoulian), zwei Prophylaxe- und drei
Zahnarzthelferinnen, drei Bürodamen und einer Frau an der Anmeldung. Sie sind erst wenige
Wochen vor meiner Ankunft am 1. August 2008 in neue, großzügige Räumlichkeiten
umgezogen. Schon allein die Aufmachung und Ausstattung der Praxis lassen den hohen
Standard erahnen.
Mit Dr. Nassery, dem Inhaber der Praxis, war ich im Zuge der Suche nach einer Praxis für
meine Famulatur per Email in Kontakt getreten, weil ich im Internet auf seine ansprechende
und aufwändig gestaltete Homepage (www.miamibeachdentistry.com) aufmerksam
geworden war. Nachdem er Einblick in meine vollständigen Bewerbungsunterlagen, meine
bisherigen Studienleistungen und Zeugnisse genommen hatte, sagte er mir zu. Er war zudem
so freundlich, eine seiner Patientinnen zu fragen, ob ich bei ihr wohnen könnte. Den ersten
Monat verbrachte ich bei ihr (Mietkosten 800$), danach zog ich in ein Apartment am South
Beach um (Mietkosten 600$). Wie ich im Laufe meines zweimonatigen Aufenthaltes
feststellen durfte, war die Praxis, die ich rein durch Zufall gefunden hatte, ein wahrer
Glückstreffer, denn in keiner anderen Praxis in Miami Beach kommen solch moderne Geräte
und Behandlungsmethoden zur Anwendung und nirgends sonst hier in der Umgebung wird
ein solch breitgefächertes Behandlungsspektrum angeboten.
Dr. Nassery machte 1992 seinen Abschluss als Zahnarzt (D.M.D., „Doctor of medical
dentistry“) an der Boston University School of dentisty. Er arbeitete danach in der
Gemeinschaftspraxis von Dr. Davis und Dr. Lawrence, beides Vorreiter der modernen
Zahnheilkunde und stets darauf bedacht, die neuen Trends dieses Berufes mitzuverfolgen und
anzuwenden (damals war dies vor allem die Implantologie). Dr. Nassery übernahm nach
einigen Jahren die Praxis und brachte sie auf ein Level, mit dem heute nur ca. 2% aller Praxen
national mithalten können.
Die Praxis hat 7 Behandlungszimmer und ist wie folgt aufgebaut: Im Eingangsbereich, der
zugleich der Warteraum für die Patienten ist, befindet sich der Empfang. Der Raum ist etwas
futuristisch gestaltet. Ein riesiger Flachbildfernseher und ein langes Bild von der Skyline in
New York schmücken die Wände. Zudem sind zahlreiche Orchideen aufgestellt. Die
Patienten können es sich in bequemen Ledergarnituren gemütlich machen. An den
Eingangsbereich schließt sich ein Korridor an, von dem rechts und links die verschiedenen
Behandlungszimmer abgehen. Dr. Nassery hat gleich am Anfang rechts sein Privatbüro. Links
befindet sich ein Besprechungsraum, in dem finanzielle Belange und Behandlungspläne mit
den Patienten besprochen werden können. Auch hier findet man einen großen
Flachbildfernseher an der Wand auf dem die verschiedenen Behandlungen mit einem Audio-
Video-Programm (CASEY) demonstriert werden können. Dieser Raum geht in das
Abrechungszimmer über. Die Damen, die hier arbeiten, nehmen auch die neuen Patienten auf
und machen die Termine aus. Die beiden nächsten Zimmer rechts und links des Korridors
sind Prophylaxezimmer. Diese, wie auch alle anderen Behandlungszimmer, sind mit
Fernsehern ausgestattet und so gestaltet, dass die Patienten von der Behandlungseinheit und
den Instrumenten kaum etwas sehen. Ziel ist, dass die Patienten sich wohl fühlen und nicht
durch den Anblick von Bohrern und Zangen unnötig nervös werden. Die zwei
Prophylaxehelferinnen, machen die Zahnreinigungen, nehmen Befunde auf, schießen
Röntgenbilder mit einem portablen digitalen Röntgengerät, bestimmen API, SBI, PSI und bei
Bedarf machen sie subgingivales Sc/Wg. Zur Routineuntersuchung gehört in dieser Praxis
auch das Oralkrebs-Screening mittels des Gerätes „Veloscope light“. Die Kontrollbefunde
werden mit dem Zahnarzt besprochen und bei Bedarf wird die entsprechende Behandlung
eingeleitet. Im nächsten Zimmer zur Rechten arbeitet Dr. Dawis, der Parodontologe. Er
operiert viel mit Laser und setzt Implantate.
Es folgt auf der linken Seite das große OP-Zimmer. Hier werden die komplizierteren
Operationen durchgeführt. Dr. Kaufmann, Oralchirurg, betreibt hier z.B. Parodontalchirurgie,
es werden Zähne extrahiert, Implantate gesetzt und Knochen-und Gewebsaufbau durch
körpereigene Wachstumsfaktoren (PRGF, Plasma Rich in Growth Factors) stimuliert. Dr.
Rassoulian ist ein selbstständiger Endodontologe, der für verschiedene Praxen arbeitet. Als
Endo-Spezialist kommt ein Mal pro Woche ins Miami Beach Dental Institute. Er bereitet fast
alle Kanäle maschinell auf und füllt mittels warmer vertikaler Kondensation ab. Sowohl seine
Arbeitsgeschwindigkeit als auch die Resultate sind beeindruckend. Die Puffs am Ende der
abgefüllten Kanäle sind bei ihm erwünscht und sehr oft sind sie auf den Röntgenbildern gut
zu sehen.
Auf der anderen Seite des Korridors befindet sich das Zimmer für die kosmetische
Zahnheilkunde. Hier arbeitet vorwiegend Dr. Nassery. Keramikrestaurationen stellt er mittels
des CEREC-Computersystems von Sirona her. Herbei handelt es sich um ein Gerät, welches
die präparierte Zahnoberfläche dreidimensional abtastet. Ein Computerprogramm modelliert
anschließend auf den Stumpf die gewünschte Restauration. Der Zahnarzt kann diese nach
Belieben noch verändern, bevor ein weiteres Schleifgerät dann innerhalb von 15min die
Keramik in die gewünschte Form bringt. Sehr faszinierend! Es wird kein Labor mehr
benötigt, es müssen keine Abdrücke genommen werden. Die große Zeitersparnis kommt
sowohl den Zahnärzten als auch den Patienten zugute. Dr. Nassery macht neben Kronen,
Brücken und Füllungen auch viele Veneers und setzt ebenfalls Implantate. Zudem behandelt
er Patienten mit Cranio-Mandibulären Dysfunktionen (CMD). Hier kommt das seit 20 Jahren
erprobte neuromuskuläre Behandlungsgerät „K-7 evaluation system“ zum Einsatz. Es ist sehr
interessant wie man durch die Relaxation von Muskeln mittels Elektrotherapie eine neue
Unterkieferposition ermitteln kann. Dies ist zum Beispiel nötig, wenn eine Bisshebung
erfolgen soll oder im Rahmen einer Kieferorthopädischen Behandlung. Auch Patienten mit
jahrelangen Kopf-, Nacken- oder Kiefergelenksschmerzen berichten deutliche
Verbesserungen der Schmerzsymptomatik nach einer Elektrotherapie.
Das letzte Zimmer auf der linken Seite ist das sogenannte „ Sleep Apnea-Op“. Man denkt
zuerst, dass Schlafapnoe nichts mit Zahnmedizin zu tun hat. Tatsächlich ist es aber eng an das
Problem der CMD gekoppelt. Dr. Laurence arbeitet auf diesem Gebiet mit Physiotherapeuten
und Schlaflaboratorien zusammen und stellt herausnehmbare Apparaturen für die Patienten
her, um den Luftraum bei Nacht zu vergrößern. Speziell bei dieser Behandlungsmethode wird
deutlich, dass die Praxis stets ein ganzheitliches Behandlungskonzept verfolgt, welches nicht
nur den Mund betrifft, sondern den gesamten Körper im Auge behält.
Das vorletzte Zimmer auf der rechten Seite ist schließlich das Kieferorthopädische
Behandlungszimmer. Hier steht das große Panorama-und FRS-Röntgengerät. Dr. Nassery
therapiert vor allem Erwachsene häufig mit Invisalign. Die Ergebnisse sind erstaunlich!
Funktionskieferorthopädie und die Behandlung von Zahnfehlstellungen mittels Multiband
finden natürlich ebenfalls Anwendung.
Im Anschluss an dieses Zimmer befindet sich der Sterilisationsraum. Alle benutzten
Instrumente passieren einen Reinigungsweg, werden verpackt und im Autoklaven sterilisiert,
bevor sie wieder in den verschiedenen Behandlungsräumen zum Einsatz kommen.
Die Toiletten sind auf der anderen Seite des Korridors hinten links.
Im zweiten Stockwerk befinden sich noch der Aufenthalts- und Pausenraum der
Mitarbeiterinnen und das Gemeinschaftsbüro der Zahnärzte.
Ich habe mich für eine Famulatur in einem fortschrittlichen Industrieland entschieden, weil
ich Einblicke in die moderne Zahnheilkunde bekommen wollte und sehen wollte, was die
Zahnmedizin außerhalb der Universität so zu bieten hat. Ich denke, ich bin im „Miami Beach
Dental Institute“ voll auf meine Kosten gekommen. Kaum eine andere Praxis arbeitet mit so
vielen modernen Maschinen und Geräten und ist so up-to-date was die Behandlungsmethoden
angeht. Die Zahnärzte waren durchweg sehr freundlich zu mir, haben sich trotz des
enggesteckten Terminplanes Zeit genommen, um mir Dinge zu erklären und mir meine
Fragen zu beantworten. Ich denke, dass ich in den zwei Monaten viel gelernt habe und mir
einiges abgeschaut habe, was mir hoffentlich in meinem Studium und später im Berufsleben
von Nutzen sein wird. Die Patienten hatten bis auf eine einzige Ausnahme nichts dagegen,
dass ich bei der Behandlung zuschaute. Die Ärzte und Helferinnen waren sehr gut aufeinander
eingespielt, sodass ich nicht gleich zu Beginn assistieren konnte oder wollte. Aber nach ca. 2-
3 Wochen durfte ich dann auch assistieren. Ich entfernte zudem Zementreste von Provisorien
und durfte Röntgenbilder machen. Den Zahnarzthelferinnen nahm ich so gut ich konnte
Arbeit ab, indem ich Modelle ausgoss, Instrumente säuberte und sterilisierte und ihnen half,
die Zimmer für die nächste Behandlung vorzubereiten. Dr. Nassery ermutigte uns stets, die
Patienten auf dem Stuhl zu unterhalten. So kam ich mit Leuten aus aller Welt ins Gespräch,
auch mit vielen Deutschen, deren Familien irgendwann einmal in die U.S.A. ausgewandert
waren. Mir war klar, dass ich in Miami nicht selbst behandeln darf, sondern dass sich meine
dortige Tätigkeit auf Zu-, Abschauen und Assistieren beschränkte. Trotzdem denke ich, dass
ein solches Praktikum sehr nützlich ist und bei entsprechender Interessenlage eine aufregende
Alternative zu einer Famulatur in einem Dritt-Welt-Land darstellt. Dr. Nassery sagte mir, dass
weitere deutsche Praktikanten in seiner Praxis herzlich willkommen sind.
Miami Beach und Umgebung haben natürlich auch einen hohen Freizeit- und
Unterhaltungswert. Der Strand von Miami lädt bei fast täglich traumhaftem Wetter zum
Baden und Sonnen ein, die Shoppingmöglichkeiten sind unendlich und die zahlreichen Bars
und Restaurants in Lincoln Road, Washington Avenue und am Ocean Drive lassen bei Tag
und bei Nacht keine Langeweile aufkommen. Allerdings ist Miami Beach auch günstiges
Pflaster und man kann dort ordentlich Geld liegen lassen… 😉 Highlights waren für mich
zweifelsfrei auch die beiden Ausflüge nach Key West und in die Everglades.
Bei Fragen zu meinem Praktikum stehe ich gerne zur Verfügung. Am besten kann man mich
per Email kontaktieren (venm@gmx.de).

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2 Antworten zu “Praktikum im „Miami Beach Dental Institute“, Florida, U.S.A.

  1. nice post.. worth reading..

  2. Ganz ehrlich – gibt es einen cooleren Ort um ein Praktikum zu machen als Miami Beach? Und ich glaube auch, dass man gerade im Bereich Zahnmedizin in den USA auch perfekte Bedingungen vorfindet. Gute Wahl also meiner Meinung nach, dass du dein Praktikum dort gemacht hast.

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