über Eitelkeit in der Medizin

Momentan ärgere ich mich über Eitelkeit in der Medizin. Damit meine ich nicht das übliche Wissensgeplänkel („Herr Kollege scheint fachlich unbeleckt, ich hingegen kenne die neuesten Studien zum Thema und habe sogar selbst an einer nicht unbedeutenden Studie mitgewirkt.“), sondern eher den bei vielen Menschen ausgeprägten Trieb, sich zu verewigen. Dies ist eigentlich lobenswert, weil das in der Regel damit einhergeht, dass man die Wissenschaft vorantreibt.

Beim Lernen aufs Examen sieht sich der unschuldige Medizinstudent jedoch damit konfrontiert, sehr abstruse Namen auswendig lernen zu müssen:

  • Melkersson-Rosenthal-Syndrom
  • Morbus Winiwarter-Buerger
  • Debré-Toni-Fanconi-Syndrom
  • Steele-Richardson-Olszewski-Syndrom usw.

Diese Liste ließe sich leider endlos fortsetzen. Alleine der mittlerweile verstorbene Züricher Pädiater Guido Fanconi hinterließ uns zwölf Einträge im Pschyrembel.

Manchmal jedoch verbergen sich hinter den vermeintlichen Errungenschaften, denen die Welt der Mediziner Namen bedeutender Vertreter zuweist, nur Sonderformen bereits bekannter Erkrankungen, spezielle Symptome oder einfach nur Koinzidenzen. Wenn man das letztgenannte Schema aufgreift, lässt sich sicherlich noch für jeden eine Möglichkeit finden, sich zu verewigen.

Ich könnte das Pulmonalissyndrom beschreiben. Das wäre dann beispielsweise ein Patient mit einer Pierre-Robin-Sequenz, der infolge einer Landry-Paralyse einen Pulsus paradoxus entwickelt. Das wäre zwar nicht praxisrelevant, aber das IMPP könnte ein paar Studenten irreführen, die „B: Stenose der Vena pulmonalis“ für die wahrscheinlich richtige Lösung halten.

Ich denke lieber mal nach dem Examen darüber nach…

Euer Anton Pulmonalis

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