Durch den Behördendschungel – Vorbereitung auf das PJ-Tertial in New York

Mein Tag im Mt. Sinai
Raus aus dem Papierdschungel, rein in den Alltag: Es gibt wie bei uns Assistenzärzte, die „Residents“, die je nach Erfahrung eine gewisse Rangfolge einnehmen, so gibt es beispielsweise den „Chief Resident“. Daneben gibt es eine Reihe von „Attending Surgeons“ (Fachärzte) und den Chefarzt.
Um halb acht fing auf der Thoraxchirurgie die Visite an. Meistens ging es danach sofort in den OP. Oder man  wird schon vorher dahin geschickt,
um kurze Patientenanamnesen an die Tafel im OP anzuschreiben – das war immer Aufgabe der Studenten. Mittwochs finden die „Grand Rounds“ statt. Hier ist ein schickes Outfit erbeten – die Frauen meistens in Bluse und Rock mit schicken Schuhen und Männer in Anzughose, Hemd und Krawatte.
Es wird jeden Tag operiert, wobei der OP-Plan für Studenten oft recht eintönig sein kann. Es werden insbesondere Bronchoskopien, Pneumektomien, VATS, Lungentransplantationen (ich hatte in zwei Monaten viermal die Chance, eine zu sehen – sehr langwierig, aber auch spannend) und Tumoren aller Art operiert.

Entweder offen oder mit Mikroskop, wobei man dann immer die
Kamera halten darf. Wenn man sich
gut anstellt, darf man auch sehr bald
eigenständig nähen!
Insgesamt sind alle sehr freundlich
und den Studenten werden schon
einige Aufgaben anvertraut. Ich
denke, man kann sich den Aufenthalt
relativ selbstständig gestalten.
Man darf auch an den „Clinics“ (der
Stationsarbeit) teilnehmen, wenn
man dazu Lust hat und nachfragt.
Mir hat der OP um einiges besser
gefallen, und sobald ich keine Lust
mehr hatte, habe ich mich davon
gestohlen, um Sightseeing zu betreiben.
Das ist absolut legitim und man
stößt dabei eigentlich immer auf
Verständnis. Ein kleiner Tipp noch:
Es macht sich immer gut, wenn man
bei den Vorbereitung der OP den
Pflegern zur Hand geht (z.B. bei der
Lagerung etc.). Das wird absolut positiv
bewertet und man macht sich
schon anfangs viele Freunde seitens
der Pfleger und Ärzte.
Lasche
Hygienevorschriften
Wenn man die deutschen OPs und
die akkurate Sterilität gewohnt ist,
kann man sich in Amerika wirklich
wundern. Das fängt bei der Krankenhauskleidung
an, den schon erwähnten
„scrubs“ bzw. der OP-Wäsche:
Schon in der U-Bahn und auf
der Strasse sieht man Schwestern
und Ärzte aller Art darin rumlaufen.
Dieselbe Kleidung wird auch im OP
dann getragen und über den Tag nicht
mehr gewechselt. Eine Schleuse gibt
es nicht, man kann den OP gelassen
mit Straßenschuhen betreten und
in OP-Klamotten wieder verlassen.
Allerdings gibt es „Überzieher“ für
die Schuhe, natürlich Haarnetze und
Mundschutz.
Die Händedesinfektion ist dann das
zweite, worüber sich ein deutscher
Student wundern muss: Es gibt kein
ausgiebiges fünfminütiges Waschen
mit Seife und Desinfektion. Mit
einem Jod-Schwamm wird höchstens
eine Minute „gecrubbed“ – das
war´s. Wenn man mehrere OPs hintereinander
mitmacht, reicht beim
ersten Mal das „Waschen“ und bei
jeder weiteren OP wird dann mit einer
milchigen Paste (die angeblich
99,99 % der Keime vernichten soll
und gleichzeitig als Pflegebalsam
herhält) „desinfiziert“. Das gute
deutsche Sterilium und die Drei-Minuten-
Desinfektionsmethode habe
ich schnell vermisst. Allerdings wird
auch keine hohe Komplikationsrate
an Infektionen verbucht. Vielleicht
übertreiben es die deutschen Krankenhäuser
einfach ein wenig. Aber
irgendwie ist mir das trotzdem vertrauter!
Nutzt die Chance!
Das Tertial an sich hat mir sehr viel
Spaß gemacht. Die Leute sind
wahnsinnig nett, man lernt viele
Menschen aus anderen Kulturen
kennen und ein anderes medizinisches
System, das den eigenen
Horizont erweitert. Natürlich
wird das Englisch um einiges
aufpoliert – nach ein paar Tagen
spricht und versteht man alles
wie selbstverständlich!
Ich denke, an so einer Erfahrung
kann man nur wachsen und jeder
sollte die Chance nutzen, wenn er
sie hat. Übermäßig viel zusätzliches
Fachwissen konnte ich mir
nicht gerade aneignen. Aber das
hängt auch immer von einem persönlich
ab, ich habe es eher genossen,
den OPs (vor allem zum Ende
hin) schnell zu entwischen, um dann
New York unsicher zu machen.
Wer in meine Fußstapfen treten
sollte, für den noch ein Tipp: Es
gibt viele Vergünstigungen über das
Krankenhaus – z.B. für den Broadway,
für Baseball- und Footballspiele
und viele andere Dinge. Das
sollte man unbedingt nutzen!

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