Zahnprobleme beim Tauchen/Bergsteigen

alle 5000 Höhenmeter halbiert sich der Umgebungsluftdruck, sodass auf 4000 Höhenmetern also verglichen mit Meeresniveau 1013hPa (ca 1bar) nur noch etwa 620hPa (ca 600mbar) herrschen, also nicht ganz die Hälfte.
Ein Gasgemisch dehnt sich gemäss dem Boyle-Mariotteschen Gesetz um den Betrag aus, um den der Umgebungsdruck abnimmt (p mal V ist konstant) – streng genommen: bei konstanter Temperatur…
Das gilt nur für Gase in „weicher“ Umgebung also zB in einem Luftballon oder im Mittelohr, oder in der Kieferhöhle… Nicht in fester Umhüllung, d.h. in einer Taucherglocke, einem U-Boot oder einem Verkehrsflugzeug.
Warum eine Füllung beim Tauchen oder bei Höhenexposition bricht, kann also nicht so richtig erklärt werden. Es passiert aber (nicht so selten). Ein Zahn der Gas enthält (also zB Luft unter einer nicht ganz so stabilen Füllung, oder wenn der Zahn bereits einen Riss hat), kann aufgrund dieser Gesetzmässigkeiten frakturieren (passiert aber häufiger beim Tauchen als bei Höhe; beim Tauchen steigt der Druck pro 10m Wassertiefe um 1000hPa oder 100kPa oder 1bar, der Umgebungsdruck verdoppelt sich also bereits gegenüber NN). Denn das unter der Füllung vorhandene Gas (Luft) dehnt sich bei Höhe aus oder zieht sich beim Tauchen in der Tiefe zusammen.
Wie es mit (teilweise remineralisierter) Karies und Lufteinschlüssen ist, vermag ich aus der Literatur bzw. Erfahrung nicht zu sagen…
Etwas anders verhält es sich bei beherdeten Zähnen, in denen die Anaerobier schon einen kleinen – auf NN noch nicht symptomatischen – Gasvorrat an Fäulnisgas angelegt haben. Dieses dehnt sich in der Höhe eventuell rasch aus (gemäss Boyle) und es kann dann plötzlich deutliche Beschwerden geben. Dazu kommt natürlich auch die schlechtere Sauerstoffsättigung des Blutes in der Höhe (Dalton-Gesetz) und die schlechtere Löslichkeit von Sauerstoff im Blut in der Höhe (Henrysches Gesetz). Somit beobachten wir gelegentlich quasi explosionsartige Entwicklungen von dentogenen (durch ANAEROBIER verursachte) Abszesse bei oder nach Höhenaufenthalten, da die Anaerobier in sauerstoffärmerer Gewebsumgebung besser wachsen.
Die höhenmedizinischen oder tauchmedizinischen Untersuchungen für die Luftwaffe oder Marine beinhalten daher sowohl ein OPT (Ausschluss Herde), als auch einen klinischen (und evtl Einzelzahn-Rö-) Status.
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s