Auslandsarbeit: nicht immer von Vorteil

Spiegel Online spricht von einer Karrierebremse und sieht die Auswanderungswilligen in größerer Zahl wieder heimkehren

Das Ausland ist nicht immer ein Karriere-Turbo

Aber der Schein eines sicheren Hafens Deutschland trügt. Nicht immer gelingt die Rückkehr, der Auslandsaufenthalt ist längst keine Garantie mehr für einen Karriereschub zuhause. Auch deswegen wird der Schritt ins Ausland zunehmend unattraktiver. Das bestätigt eine aktuelle Studie von Pricewaterhouse-Coopers über den Führungsnachwuchs deutscher Unternehmen. Während vor zwei Jahren noch ein Viertel der befragten Jungmanager angab, sie werden ins Ausland gehen, sind es heute nur noch sieben Prozent.

Jessica Lange hat den Anschluss schnell wieder gefunden, weil sie sich bereits aus Irland übers Internet um einen Job in Deutschland gekümmert hat. Es war aber mühsam über die Distanz, weil deutsche Unternehmen die Anreise zu Vorstellungsgesprächen nicht übernehmen wollten. „Den Flug nach Berlin habe ich dann selbst bezahlt“, sagt Lange.

Albrecht von Bonin kennt diese Probleme. Der Geschäftsführer der gleichnamigen Personalberatung, die seit 15 Jahren Auslandsrückkehrer berät, weiß, dass Bewerbungen aus dem Ausland daher schnell auf dem Absagenstapel landen. „Wir raten solchen Bewerbern gleich anzubieten, die Kosten bis zur deutschen Grenze selbst zu tragen und ab da das Unternehmen zahlen zu lassen“, sagt von Bonin.

Nach mehr als drei Jahren wird die Rückkehr schwer

Die Skepsis deutscher Personalabteilungen gegenüber Kandidaten aus dem Ausland beschränkt sich aber nicht nur auf höhere Anreisekosten im Auswahlverfahren. Sowohl entsendeten Expats, als auch aus Abenteuerlust vorübergehend ausgewanderten Berufseinsteigern wird häufig unterstellt, dass sie sich nicht wieder integrieren können und ihnen die Kenntnisse des deutschen Marktes fehlen. „Es gibt Typen, die im Ausland, wie die Made im Speck gelebt haben und sich hier dann wie verzogene Gören benehmen“, sagt auch von Bonin.

Probleme bei der Einordnung in den deutschen Arbeitsalltag, aber auch im Privatleben, tauchen selbst dann auf, wenn der Rückkehrer beruflich aufsteigt. „Wer im Ausland eine herausgehobene Position hatte, fühlt sich in Deutschland unabhängig von seiner neuen Aufgabe subjektiv als ‚kleinerer Fisch'“, sagt Andreas Bittner, Geschäftsführer des Instituts für interkulturelles Management (Ifim). Eine Einschätzung, die auch von den Teilnehmern einer Umfrage von „Handelsblatt Junge Karriere“ geteilt wird. Fast ein Drittel der Befragten gibt an, dass die Einordnung in die Hierarchien ihnen die größten Schwierigkeiten bei der Rückkehr bereitete.

Bittner empfiehlt daher die Teilnahme an Rückkehrerseminaren: „Am besten sind unternehmensinterne Veranstaltungen, weil der Arbeitgeber damit zeigt, dass ihm die Rückkehrer und ihre Erfahrungen wichtig sind.“ Solche Kurse sind gerade für Heimkehrer, die länger weg waren, hilfreich, weil ihnen die Integration in Deutschland häufig schwerer fällt. „Junge Berufseinsteiger sollten nicht länger als drei Jahre im Ausland bleiben“, sagt Personalberater Albrecht von Bonin. Man überschreite sonst leicht einen Point of no Return, ohne es zu merken.

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