Duba: 3 Jahre sind genug

erfahrungsgemäß kommen viele nach einigen Jahren wieder heim: aktuell heißt es deshalb auch, dass drei Jahre genug sind

drei Jahre in der Fremde sind genug
Außerdem raten die Experten auch während der Zeit im Ausland, den Kontakt in die Heimat nicht abbrechen zu lassen. „Die Welt bleibt in Deutschland nicht stehen, während die Expats im Ausland sind“, sagt Ifim-Geschäftsführer Bittner. Deswegen sollten sie den Kontakt zur heimischen Personalabteilung intensiv pflegen. „Die Wirtschaft predigt zwar Auslandserfahrung als Karrierevoraussetzung“, sagt von Bonin, „aber ihre Entsandten verlieren sie oft aus dem Auge.“ Deswegen müsse man sich selbst darum kümmern, im Blickfeld zu bleiben. Schriftliche Rückkehrgarantien geben die Unternehmen heute kaum noch.

„Das höchste der Gefühle ist die Zusage, eine vergleichbare Alternative im Konzern zu bekommen“, sagt von Bonin. Wichtig ist es, in so einer Vertragsklausel auf den Zusatz „in Deutschland“ zu beharren. Sonst kann die vergleichbare Stelle überall auf der Welt und der erste Auslandseinsatz der Einstieg in eine Nomadenkarriere sein.

Genauso wichtig ist der Austausch mit den Kollegen aus der alten Abteilung per E-Mail, Firmenblog oder persönlichem Besuch während eines Deutschland-Aufenthaltes. „So können sie ihr firmeninternes Netzwerk erhalten“, sagt Bittner.

Kontakt halten – sonst wird einem die Heimat fremd

Zusätzlich empfiehlt er, sich auch im Ausland über die eigene Branche, aber auch die allgemeine Situation mit Hilfe von Fachzeitschriften und Tageszeitungen übers Internet auf dem Laufenden zu halten. Das verhindert den sogenannten umgekehrten Kulturschock, und die Kenntnisse über den deutschen Markt gehen nicht verloren.

„Das versäumen viele und wundern sich dann, dass ihnen Deutschland so fremd vorkommt“, sagt Bittner. Andere Fehler werden häufig schon vor dem Beginn des Auslandsaufenthalts gemacht. „Viele Expatriates lassen sich überreden, lokale Verträge zu unterschreiben“, sagt von Bonin. Auswanderer, die auf eigene Faust im Ausland einen Job suchen, haben häufig gar keine andere Wahl, als sich den arbeitsrechtlichen Regelungen vor Ort zu unterwerfen.

In Krisenzeiten wird das in mehrfacher Hinsicht zum Bumerang. In Ländern wie Dubai kann man von einem Tag auf den anderen seinen Job verlieren. Sofern man keine Anschlussbeschäftigung findet, muss man dann innerhalb von 30 Tagen das Land verlassen. Hinzu kommt, dass den Rückkehrern die Zeit im Ausland nicht auf die Rentenversicherung angerechnet wird. Es sei denn, sie haben ihre Sozialversicherungsbeiträge in diesem Zeitraum freiwillig weiterbezahlt.

Nach Jetset in Dubai jetzt Trübsal am Elbstrand

Genau das ist Nora Rath passiert. Die gebürtige Münchenerin ging 2007 nach Dubai. Ein großer Münchener Konzern, für den sie vorher sieben Jahre in der Zentrale gearbeitet hatte, bot ihr einen gut dotierten, lokalen Vertrag an. Sie nahm an. „Vielleicht war ich naiv, aber ich wollte raus ins Ausland, etwas erleben“, sagt Rath.

Am Anfang lief alles glatt. Große Wohnung, 42. Stock, Blick aufs Meer, die Miete bezahlte der Arbeitgeber. Partys wurden geschmissen, gegessen wurde in Fünf-Sterne- Hotels, ihr Job im Projektmanagement des Konzerns füllte Rath „zu 200 Prozent“ aus. Im November 2008 wurde ihr von einem auf den anderen Tag mitgeteilt, dass ihr Job in ein Niedriglohnland verlagert wurde.

Statt im Wüstensand sitzt sie jetzt am Elbstrand, wo selten Scheiche im Rolls Royce, sondern eher hanseatische Rentner mit Rauhaardackel vorbeiflanieren. Sie ist nach ihrer Rückkehr aus Dubai nach Hamburg gezogen, um dort einen Neuanfang zu starten. Nora Rath ist ein Opfer der Finanzkrise geworden. „Der Bedarf nach Leuten mit rein kaufmännischem Hintergrund hat in Dubai nachgelassen“, bestätigt Norman Sterz.

Exodus aus Dubai: „Die Glücksritter sind weg“

Er ist Managing Director der Personalvermittlung „Departer“. Die Agentur hat sich auf die Vermittlung von Fach- und Führungskräften nach Dubai und in die Schweiz spezialisiert. Seit kurzem bieten sie unter dem Namen Arriver auch einen Rückkehrerservice, über den auch Nora Rath eine neue Stelle sucht. „Die Anzahl der Leute, die aus Dubai nach Deutschland zurückkommen, ist seit Beginn der Krise angestiegen“, sagt Sterz. Deshalb habe man die Beratung der Rückkehrer mit ins Dienstleistungsangebot von Departer aufgenommen.

Es gibt aber neben der Krise auch noch weitere Gründe, das bislang boomende Emirat zu verlassen und nach Deutschland zurückzukehren. „Es findet zurzeit eine Marktbereinigung in Dubai statt, die Glücksritter sind weg“, sagt Sterz. Ingenieure und Ärzte werden zwar weiterhin gebraucht, aber die Gehälter sinken. Verdiente ein Ingenieur vor einem Jahr noch 5000 Euro im Monat, sind es jetzt nur noch 3000 Euro.

Außerdem soll Ende des Jahres ein Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten, zu denen Dubai gehört, in Kraft treten. „Das betrifft diejenigen, die in Deutschland nach wie vor einen Wohnsitz haben“, erklärt Sterz. Die hätten dann nach Abzug der Steuern Gehälter wie in Deutschland, aber die höheren Lebenshaltungskosten in Dubai.

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