Facebook allein macht nicht glücklich

Braucht man soziale Netzwerke wie Facebook, um mit dem Leben zufrieden zu sein? Eine Studie am Psychologischen Institut der Universität Zürich ging der Frage nach, welche Persönlichkeiten Facebook nutzen und ob sie zufriedener sind als Nicht-Nutzer. Resultat: Nicht Facebook, die Persönlichkeit ist entscheidend.

Marita Fuchs

Facebook

Online-Plattform «Facebook»: Grosse Zuwachsraten beim virtuellen Treffpunkt. (Bild: Marita Fuchs)

Von den 300 Millionen Menschen, die aktuell auf Facebook registriert sind, stellen 30 Millionen täglich neue und persönliche Mitteilungen ins Netz, andere reagieren darauf – es entstehen virtuelle oder echte Freundschaften. Die Entwicklung hin zu solchen Online-Netzwerken ist ungebremst.

Die Lizentiandin Anett Cepela hat zusammen mit Bertolt Meyer, Oberassistent am Psychologischen Institut der Universität Zürich, untersucht, welche Menschen Facebook nutzen und was sie antreibt. Dabei gingen die Sozialpsychologen folgenden Fragestellungen nach: Verfügt die Facebook-Gemeinde über ein sehr hohes «soziales Kapital»? Und haben die Facebook-Nutzer gar eine höhere Lebenszufriedenheit als Nicht-Nutzer?

Letzteres hatten amerikanische Forscher von der Michigan State University im Jahr 2007 herausgefunden. Sie stellten fest, dass Nutzer von Online-Netzwerken zufriedener und glücklicher seien als Nicht-Nutzer, weil sie sozial engagierter seien.

Nicht-Nutzer zufriedener

Die Studie von Meyer und Cepela zeigt andere Resultate: Entscheidend dafür, ob Facebook als Bereicherung empfunden wird oder nicht, ist die Persönlichkeit.

Vor allem extrovertierte Menschen nutzen häufig Facebook, weil sie sich von den Austauschmöglichkeiten im Netz angezogen fühlen. «Die durchschnittliche Lebenszufriedenheit zwischen Nutzern und Nicht-Nutzern unterscheidet sich leicht zugunsten der Nicht-Nutzer», sagt Meyer. Teilnehmer gänzlich ohne Facebook-Profil zeigen sich zufriedener als solche mit Profil. Zudem haben sie eine leicht höhere psychische Gesundheit und sind gewissenhafter als Facebook-Nutzer.

Lizentiandin Anett Cepela und Bertolt Meyer, Oberassistent am Psychologischen Institut der Universität Zürich

Lizentiatin Anett Cepela und Bertolt Meyer, Oberassistent am Psychologischen Institut Universität Zürich, haben untersucht, wer «Facebook» nutzt. (Bild: Bertolt Meyer)

An der Studie von Meyer und Cepela nahmen insgesamt tausend Personen teil, die sich alle aufgrund eines Teilnahme-Aufrufs in der Online-Ausgabe der Zeitschrift «20 Minuten» gemeldet hatten. 681 Personen füllten den Fragebogen online vollständig aus, davon 345 weibliche und 336 männliche Teilnehmer. Das Alter der Befragten reichte von 13 bis 89 Jahre. Die Nutzer von sozialen Netzwerken waren im Schnitt 26 Jahre alt und gaben an, im Durchschnitt 187 Freunde auf ihrem meistbenutzten sozialen Netzwerk zu haben.

Grundlage: die «Big Five»

Methodische Grundlage der Studie sind die fünf Persönlichkeits-Achsen, die so genannten «Big Five». Mit deren Hilfe kann die psychologische Forschung Individuen charakterisieren und beschreiben. Die erste Persönlichkeits-Achse «Neurotizismus versus Emotionale Stabilität» zeigt auf, wie schnell jemand aus dem emotionalen Gleichgewicht gerät.

Die zweite Achse «Introversion versus Extraversion» beschreibt, ob jemand eher zurückhaltend, zurückgezogen und in uns gekehrt ist oder eher gesellig, selbstsicher und gesprächig.

Die dritte Achse  ist «Offenheit für neue Erfahrungen versus eher konservative Haltung» gegenüber Neuem.

Beim vierten Merkmal steht «Verträglichkeit gegen den Wettstreit» mit anderen. Es beschreibt, ob uns die Harmonie wichtig ist und ob wir anderen gegenüber eher misstrauisch sind und für unsere Interessen kämpfen.

Und schliesslich als letztes Merkmal die «Gewissenhaftigkeit»: Diese Achse zeigt an, ob jemand eher pflichtbewusst, diszipliniert und zuverlässig ist oder nachlässig und ungenau.

Über hundert Freunde im Netz

Im Fragebogen wurden die Teilnehmer nach ihren Persönlichkeitsmerkmalen und Nutzungsgewohnheiten befragt. 573 gaben an, ein Profil bei Facebook zu haben. Davon waren mehr als die Hälfte (335) noch in anderen sozialen Internet-Netzen aktiv. «Berücksichtigt man die Extraversion als Persönlichkeitseigenschaft, zeigt sich, dass Menschen, die extrovertiert sind, mehr auf Facebook unterwegs sind und damit sehr zufrieden sind», erläutert Meyer.

Das liegt aber nicht an Facebook, sondern an der extrovertierten Persönlichkeit. Gäbe es Facebook nicht, würden extrovertierte Menschen auch andere Möglichkeiten des Austausches finden. Facebook allein mache nicht glücklich, so Meyer, aber extrovertierte Menschen nutzen es gerne.

Facebook-Nutzer mit weniger Berufserfolg

Und wie fühlen sich die Nicht-Nutzer von Facebook? Von den total 681 Befragten hatten 46 kein Profil bei Facebook, jedoch bei einem anderen Netzwerk, und 62 gaben an, überhaupt kein Profil auf irgendeinem sozialen Netzwerk zu haben.

«Aufgrund der kleinen Anzahl der Teilnehmer gänzlich ohne Facebook-Erfahrung muss man die Aussagen zu dieser Gruppe mit Vorsicht geniessen», warnt Meyer. Doch könne man sagen, dass der sich abzeichnende Trend eine interessante Implikation habe: Mehrere Studien zeigen, dass Gewissenhaftigkeit – eines der Big-Five-Merkmale – positiv mit dem Berufserfolg zusammenhängt.

Die Ergebnisse der Facebook-Studie legen nun nahe, dass die Nicht-Nutzer eher gewissenhaft sind. Daraus könne man rückfolgern, dass engagierte Facebook-Nutzer weniger Berufserfolg haben als solche, die Facebook wenig oder gar nicht nutzen. «Denn Menschen, die nicht auf sozialen Netzwerken sind, sind gewissenhafter und sie haben in der Regel mehr Berufserfolg», so Meyer. Allerdings sind sie auch älter als die Facebook-Nutzer, was bei diesen Ergebnissen eine Rolle spielen könnte. Weitere Studien sollen mehr Klarheit bringen.

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