Deutsche Studenten: mobil wie nie

immer mehr Studenten zieht es ins Ausland. und dabei gibt es besonders bevorzugte länder wie Holland oder Österreich, aber auch die USA oder England stehen hoch im Kurs.Bei deutschen Studenten geht der Trend zur Nestflucht – sie sind mobil wie nie. Klassiker ihrer Lieblingsziele sind Großbritannien und die USA, ganz vorn aber liegen die kleinen Nachbarn Österreich und Niederlande. Kein Wunder, denn Holland umgarnt die „Duitsers“ sogar mit dicken Euro-Bündeln.

Numerus clausus, Studiengebühren und volle Hörsäle, dazu das Bachelor-Wirrwarr und Hürden beim Masterstudium – da muss man ja nicht unbedingt in Deutschland studieren, wenn andere Länder so viele schöne Hochschulen haben. Und den Fremdsprachenkenntnissen hilft’s allemal. Der Trend bei deutschen Studenten geht zur Nestflucht. Immer mehr junge Deutsche gönnen sich ein, zwei Semester im Ausland oder verbringen dort sogar das ganze Studium.

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Die Zahl der Auslandsstudenten ist in den letzten zehn Jahren stetig gestiegen, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Im Jahr 2007 waren gut 90.000 deutsche Studenten an ausländischen Hochschulen eingeschrieben, ein Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr um 6700 Studenten oder acht Prozent. Die beliebtesten Länder waren bei den deutschen Exilstudenten erneut die Niederlande und Österreich.

Fast ein Fünftel der deutschen Auslandsstudenten zog es über die grüne Grenze zu den holländischen Nachbarn. Das dürfte, neben der Flucht vor Zulassungsbeschränkungen in beliebten Fächer wie Jura und Wirtschaft, auch an der üppigen Förderung liegen, die auch Deutsche in den Niederlanden kassieren können: Studenten winken bis zu 934 Euro monatlich zur „Studienfinanciering“, schreibt die Bildungsberatungsfirma Edu-Con, die im Namen holländischer Hochschule fürs Studieren in den Niederlanden wirbt.

Holland: Großzügige Förderung macht Gebühren erträglicher

Voraussetzung für das holländische Bafög ist, dass der Student 32 Stunden im Monat arbeitet und damit in die niederländische Sozialversicherung einzahlt. „Gut ein Drittel des Geldes gibt es geschenkt, ein weiteres Drittel ist abhängig vom Einkommen der Eltern, und das letzte Drittel ist ein Studentendarlehen, das zurückbezahlt werden muss“, erklärt Michael Lülf, Mitarbeiter der Agentur border concepts GmbH, die im Namen von 30 niederländischen Hochschulen fürs Studieren in Holland trommelt. Die großzügige Förderung sorgt dafür, dass die holländischen Studiengebühren von 1672 Euro pro Jahr nicht all zu sehr schmerzen.

Am zweitliebsten gehen Deutsche über die Südgrenze und studieren in Österreich, wo derzeit Studenten gegen miserable Studienbedingungen rebellieren: Immerhin etwa jeder sechste der deutschen Exilanten war 2007 dort eingeschrieben. Was die Holländer freut, wird manchen Österreichern langsam zu viel – einige Rektoren und konservative Politiker moserten zuletzt lautstark über Piefkes, die ihre heimeliges Alpenrepublik angeblich überfluten.

An britische Hochschulen gingen rund 13 Prozent der deutschen Auslandsstudenten. Es folgten die Schweiz, die USA und Frankreich (siehe Grafik links oben). Die sechs beliebtesten Länder nahmen zusammen drei Viertel der im Ausland studierenden Deutschen auf. Die Zahlen setzen sich aus Daten des Statistischen Bundesamtes, der europäischen Statistikbehörde Eurostat und der Unesco zusammen.

Wirtschaft in Holland, Kultur in Frankreich, Medizin in Ungarn

Die Verteilung der deutschen Studenten nach Fächergruppen unterscheidet sich erheblich. In den Niederlanden und Großbritannien studierten knapp die Hälfte der Exilstudenten Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, in Frankreich waren dagegen rund 45 Prozent der deutschen Hochschüler in der Fächergruppe Sprach- und Kulturwissenschaften sowie Sport eingeschrieben.

Ein Sonderfall ist Ungarn: Dort sorgt vor allem die auf deutsche NC-Flüchtlinge im Fach Medizin spezialisierte staatliche Semmelweis-Univeristät dafür, dass 72 Prozent der deutschen Studenten in Ungarn in Humanmedizin immatrikuliert sind. Für gut 11.000 Euro jährlich macht die Budapester Mediziner-Schmiede gut betuchten Deutschen in ihrer Muttersprache möglich, was ihnen mangels ausreichend guter Noten und Studienplätzen in Deutschland verwehrt bliebe.

Die Statistiker unterscheiden nicht zwischen Studenten, die im Rahmen von Erasmus oder auf eigene Faust ein paar Auslandssemester verbringen, und jenen, die ein komplettes Studium samt Abschluss außerhalb Deutschlands absolvieren. Die Mobilität ist deutlich gewachsen. Studierten 1997 noch lediglich 2,7 Prozent der deutschen Studenten im Ausland, waren es im Berichtsjahr 2007 bereits 5,3 Prozent.

Wie sich die Umstellung auf Bachelor-Studiengänge auswirkt, lässt sich noch nicht präzise ermessen; die „Bologna-Reform“ ist im Fluss, und aktuellere Zahlen als für 2007 liegen bisher nicht vor. Ein Ziel der Reform ist eine erhöhte internationale Mobilität, der fliegende Wechsel der Studenten über Ländergrenzen hinweg. Viele beklagen jedoch, sie seien in ein so enges Studienkorsett eingezwängt, dass für Auslandserfahrung kaum Platz bleibe. Der enge Zeitrahmen scheint die Lust auf das Abenteuer zu dämpfen, das neue Lernsystem könnte zum Bumerang werden.

Einen zarten Hinweis darauf, wie viele Deutsche ihre komplette Studienzeit im Ausland verbringen, ergeben die erstmals erhobenen Daten zu den Abschlüssen der Deutschen im Ausland. Die meisten Absolventen verzeichnete dabei Großbritannien mit 5290, gefolgt von den Niederlanden mit 3390 und der Schweiz mit 1729.

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