über die Sicherheit sozialer Netzwerke

unter der Rubrik: Gesucht: „Männlich, liiert, heterosexuell, aus Berlin“ schreibt die FAZ zu den neuen Datenschutzeinstellungen von Facebook:

Als das soziale Netzwerk Facebook seine neuen Datenschutzeinstellungen verkündete, ging der Gründer Mark Zuckerberg offensiv voran: Transparenz ist nicht so schlimm, wollte er offenbar demonstrieren und gab seine privaten Fotos der Öffentlichkeit frei. Bürgerrechtler und Verbraucherschützer sind hingegen alarmiert. Die amerikanische Electronic Frontier Foundation kritisiert einige Punkte gar als „ekelig“: Wer sich nicht selbst um die Freigabe kümmere, gebe seine Daten dem gesamten Internet frei, macht beispielsweise Fotos „allen“ zugänglich, was auch Suchmaschinen wie Google einschließt. Daten- und Verbraucherschutzgruppen haben jetzt bei der amerikanischen Wettbewerbsaufsicht FTC beantragt, dass die Datenschutzrisiken untersucht werden und Facebook die alten Regeln wieder herstellen muss. In ihrem Schriftsatz zitieren sie zahlreiche Gefahren, die bisherige Datentransparenz bereits verursacht habe und weisen auf Protestgruppen innerhalb des sozialen Netzwerks hin.

Die Betreiber sozialer Netzwerke sind grundsätzlich an einer weitreichenden Datenöffentlichkeit interessiert. Denn je mehr über den Einzelnen zu erfahren ist, desto interessanter wird die Plattform für neue Nutzer und Werbetreibende. „Die Veränderung hat eine große Datenmenge überhaupt erst öffentlich gemacht“, kommentiert Constanze Kurz vom Chaos Computer Club (CCC) die neuen Regeln. Dennoch sei es „richtig und wichtig“, dass soziale Netzwerke sich überhaupt um Datenschutz bemühten und nun ihre Nutzer nun drängen, sich mit den Einstellungsmöglichkeiten auseinander zu setzen.

Wie privat ist die Privatsphäre bei Facebook?

Wie privat ist die Privatsphäre bei Facebook?

Datenschutz-Dschungel von Facebook sind die „Privatsphäre-Einstellungen“

Das ist allerdings alles andere als trivial. Der Ausgangspunkt für die Expedition in den neuen Datenschutz-Dschungel von Facebook sind die „Privatsphäre-Einstellungen“. Dort lässt sich unter „Profilinformationen“ zunächst prüfen, wie man sich derzeit Dritten im Netz präsentiert („Vorschau für mein Profil“). Ob Freunde, Alle oder eine benutzerdefinierte Gruppe persönliche Daten sehen können, lässt sich dort auswählen. Möchte man bestimmte Dinge mit überhaupt niemandem teilen, muss man einen Umweg wählen, nämlich unter „benutzerdefiniert“ „Nur ich“ anklicken. Suchmaschinen und die Suchfunktion von Facebook lassen sich unter „Suchen“ aussperren – manche Nutzer mussten überrascht feststellen, dass sie nach den neuen Regeln über Google und Bing von jedem auffindbar waren.

Kurze Nachrichten, die bislang nur innerhalb Facebooks und oft nur für „Freunde“ einsehbar waren, können nun auch ins offene Netz gespeist werden. Suchmaschinen machen sich diesen Effekt inzwischen zu Nutze, um besonders akkurate und aktuelle Ergebnisse zu liefern. Wer das verhindern will, kann nun über einen Knopf neben dem Eingabefeld für jede Mitteilung einzeln entscheiden, ob nur „Freunde“, eine selbst definierte Gruppe – etwa die Familie oder Arbeitskollegen – oder eben die ganze Welt lesen kann, was einen gerade umtreibt.

Die eigene Liste von Kontakten lässt sich verbergen

Kritiker der neuen Einstellungen verärgert besonders, dass bestimmte Daten den Blicken anderer Facebooknutzer nun überhaupt nicht mehr entzogen werden können: Name, Profilbild, Geschlecht, derzeitiger Wohnort, Netzwerke und Lieblingsseiten des Facebook-„Freunds“ bleiben unabänderlich sichtbar. Die eigene Liste von Kontakten lässt sich in Folge harscher Kritik immerhin vor anderen Nutzern verbergen – aber nur auf umständlichem Wege: Unter „Profil“ öffnet der kleine Stift in der linken Spalte („Freunde“) ein Menü.

„Freunde“ und auch deren Anwendungen „sehen“ die Informationen aber dennoch. Anbieter von Facebook-Spielchen erfahren also in jedem Fall, wie vernetzt ein Facebook-Mitglied ist und welche Seiten von Künstlern oder politischen Gruppen er verfolgt. Das gilt damit auch für Nutzer, die sich von Zeitdieben wie „Farmville“, „Mafia Wars“ oder den Weissagungen virtueller Glückskekse fernhalten. Es genügt nämlich, wenn ein „Freund“ sich unter die virtuellen Bauern oder Gangster mischt. Die Anwendung sieht dadurch alle Profilinformationen, die dem „Freund“ offenbart sind. Über „Anwendungen und Webseiten“ im Privatsphäremenü lässt sich der Zugriff der Programme immerhin minimieren. Daten würden aber nicht weitergegeben, sondern nur genutzt, betont das Unternehmen.

Wer Anwendungen präsentieren möchte, muss dafür nichts bezahlen

Unmittelbar verdient Facebook nichts an der Öffentlichkeit der Nutzerdaten. Wer Anwendungen in Facebook präsentieren möchte, muss dafür nichts bezahlen. Die Transparenz ermöglicht aber zielgerichtete Werbung – ein ähnliches Modell versorgt auch den Suchgiganten Google mit üppigen Einnahmen. So könnte ein Berliner Schmuckhändler Werbung für heterosexuelle männliche Hochschulabsolventen der Hauptstadt zwischen 20 und 30 Jahren Ausschau schalten, die sich „in einer Beziehung“ befinden – laut Facebook sind das 1600 Personen.

Will man diese Werbung verhindern, muss man sich aktiv wehren. Um eine Anwendung zu blockieren, muss diese sich allerdings zunächst einmal mitgeteilt haben – das heißt, wenn sie bereits auf die Profilinformationen zugegriffen hat. Durch einen Klick auf den Namen der Anwendung gelangt man auf die Facebook-Seite des Programms. Dort kann es durch einen Klick auf „Anwendung blockieren“ ferngehalten werden. Wer lediglich den Nachrichtenfluss über die Erfolge virtueller Bauern, Mafia-Dramen oder die Weissagungen von Glückskeksen eindämmen will, kann auf „Verbergen“ klicken.

„Bei deren Geschäftsmodell“ sei es „nutzlos, für Datensparsamkeit zu werben“

Den Zugriff auf die zwingend öffentlichen Daten durch Anwendungen verhindert das alles allerdings nicht. Constanze Kurz vom CCC empfiehlt den Nutzern, sich nur unter Pseudonymen in soziale Netzwerke zu begeben. Auf Bilder solle man lieber ganz verzichten. Die meisten der technophilen Mitglieder des Clubs hielten sich von den etablierten Netzwerken fern und benutzten eigene Netzwerke, sagt Kurz. Sie verteufele Facebook, StudiVZ und Co. zwar nicht, aber „bei deren Geschäftsmodell“ sei es „nutzlos, für Datensparsamkeit zu werben“.

Ausgerechnet mit Datenschutz will nun jedoch der deutsche Wettbewerber StudiVZ punkten. Das soziale Netzwerk ist nachgezogen und bietet nun ebenfalls kleine Miniprogramme an, so genannte „Apps“. Wer sie nutzen möchte, muss aber zuvor eine „Visitenkarte“ ausfüllen – mit den echten Angaben aus dem Profil oder Phantasiedaten. Nur die dort aufgeführten Daten kann die Anwendung künftig sehen. Zugriffe Dritter auf das eigene Profil lassen sich vollständig unter dem Menüpunkt „Privatsphäre“ regulieren. So lassen sich die VZ-Suchkriterien („Supersuche“) auf den Namen einschränken – sonst genügt auch schon etwa die Heimatstadt. Suchmaschinen haben überhaupt keinen Zugriff auf VZ-Daten. Die Sichtbarkeit des eigenen Profils für Dritte (angemeldete) Nutzer lässt sich für diverse Angaben ausschließen, dazu gehört auch die Liste der „Freunde“.

Dort lässt sich überraschenderweise unter den „Werbeeinstellungen“ sogar die personalisierte Reklame auf eine ungezielte umstellen – obwohl StudiVZ angeblich in beiden Fällen keine Daten an Dritte weitergibt. Männer würden dann allerdings Werbung für Damenkosmetik erhalten, heißt es erklärend.

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