Vergesst Haiti nicht!

Vergesst Haiti nicht!

Hoffnung für Haiti. Nicht weniger hat sich die Weltgemeinschaft für ihre Geberkonferenz in New York vorgenommen. Großzügigkeit in nie gekannter Dimension erwarten Vereinte Nationen und USA als Gastgeber von ihren Mitgliedsländern: 3,9 Milliarden US-Dollar. Die Aufgabe ist gigantisch – nur mit Geld allein nicht zu stemmen.

Haiti.jpgZehn Wochen ist die Katastrophe jetzt her. Immer noch sind 1,3 Millionen Haitianer obdachlos, 220.000 Menschen riss das Beben in den Tod. Die Helfer vor Ort sind mit akuter Nothilfe beschäftigt, fürchten mit der herannahenden Regenzeit die nächste Eskalation im Elend. Mit dem Schlamm kommen die Krankheiten.

„Jeden Tag geht es ein bisschen besser, aber das Land ist noch nicht über den Berg“, sagt Oliver Müller. Als Leiter von Caritas international war er vor vier Wochen zuletzt in Haitit. Wiederaufbau, wenn das so einfach wäre. „Wem bau ich das Haus denn wieder auf, dem einstigen Bewohner oder dem, der behauptet, es sei sein Grundstück?“, berichtet er. Grundbuchämter gibt es kaum in Haiti. Nach dem Erdbeben sind die wenigen Aktenbestände so gut wie vernichtet.

Caritas international hat sich dafür entschieden, erstmal zu reparieren und soziale Einrichtungen aufzubauen, von denen alle profitieren. Die internationale Staatengemeinschaft müsse auf ihrer Geberkonferenz vor allem lokale Kräfte stärken, fordert Caritaschef Müller. „Es kommt auf den Willen an, Haiti langfristig zu begleiten“.

55 Millionen Euro Spendengelder hat das deutsche Aktionsbündnis Katastrophenhilfe (Caritas international, DRK und Diakonie) eingenommen. Unter anderem die Berichterstattung im ZDF trug zur hohen Mobilisierung bei. Die Bundesregierung sagte bislang gerade mal 17 Millionen Euro für Haiti zu. „Das ist vergleichsweise sehr wenig, da sollte noch draufgelegt werden“, fordert Oliver Müller von Caritas international. Die deutsche Hilfe werde „Gegenstand der Konferenz“ sein, hieß es vorsichtig aus Regierungskreisen.

Geberkonferenz, in diesem Begriff steckt die Hierarchie von Geben und Nehmen. Die da oben – die da unten. Genau das ist der falsche Ansatz. Hilfsorganisationen können das Land nicht retten. Wiederaufbau hieße, anknüpfen ans gewohnten Elend. Weiter so mit Korruption und Misswirtschaft.

UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon setzt höhere Maßstäbe, fordert ein „neues Haiti“. Dazu gehören Demokratie, Bildung, Gleichberechtigung, die wirtschaftliche Entwicklung Haitis auch außerhalb der überfüllten Hauptstadt Port au Prince. Haitis Regierungschef René Préval spricht von einem „historischen Treffen“. Staatenbildung statt Wiederaufbau.

Das UN-Programm „Cash for Work“ klingt vielversprechend. Fünf Dollar am Tag für jeden Bürger Haitis, der Trümmer wegräumt oder Schlaglöcher flickt. Aktivität statt Alimentierung.

Vergesst Haiti nicht! Noch mehr aber sollte Haiti befähigt werden, vom Nehmerland zum gleichberechtigten Partner der Weltgemeinschaft zu wachsen.

http://blog.zdf.de/zdfdasblog/2010/03/vergesst-haiti-nicht.html

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Eine Antwort zu “Vergesst Haiti nicht!

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