Haitis Wiederaufbau ist eine Jahrhundertaufgabe “

Don Bosco – Mission – Bonn/Port au Prince 31.03.2010

Anlässlich der internationalen Geberkonferenz für Haiti, die am heutigen Mittwoch in New York beginnen wird, stellen auch die Salesianer Don Boscos ihre Weichen für den Wiederaufbau. Bei einem Treffen in Rom konnte der Leiter der haitianischen Don Bosco Einrichtungen, Pater Ducange einen ersten Masterplan präsentieren. Ab dem 5. April werden demnach alle bisherigen Schulen der Salesianer wieder arbeiten. „Wir haben zwar keine Schulgebäude mehr, aber die Schule funktioniert“, gab sich der Haitianer optimistisch. Fieberhaft habe man in den letzten Wochen Lehrkräfte mobilisiert und Spenden für Schulzelte gesucht, so Ordensbruder Jean Paul Muller der das Don Bosco Hilfswerk in Deutschland leitet. Immer noch fehlen jedoch knapp über 200 Zelte, die besonders in der bevorstehenden Regenzeit notwendig sind.

Darüber hinaus gibt es immer noch zu wenig Zelte für Flüchtlinge. Es fehlen schätzungsweise 200.000. Auch in den vier Flüchtlingszentren der Salesianer braucht man noch Zelte. Etwa 20.000 Menschen werden hier versorgt. „Die Nothilfeverteilung läuft entgegen der Berichterstattung in Deutschland recht gut. Die medizinische Versorgung und die Verteilung von Lebensmitteln und Wasser seien gewährleistet, so Pater Ducange. Als eine der größten Herausforderungen sehen die Don Bosco Mitarbeiter die Infrastrukturprobleme und den Umgang mit dem erlittenen Traumata, besonders bei Kindern. „Wenn ich spielende Kinder auf unserem Fußballplatz frage, ob sie Angst vor einem neuen Beben haben, sagen alle nein. Aber in ein festes Haus will keiner von ihnen. Sie fragen mich, ob sie von nun an immer im Zelt schlafen dürfen, es mache ihnen nichts aus. Auch die Schule, die solle doch besser ein Zelt sein.“ beschreibt Pater Ducange die tiefsitzende Angst der Überlebenden. Psychologen seien bereits angefordert, um die eigenen Mitarbeiter zu schulen und zu stabilisieren. Kraft ziehen viele Haitianer aus dem Glauben. „Unsere Kirchen sind brechend voll.“ Auch ausländische Experten schreiben den Kirchen eine extrem stabilisierende Rolle zu.

Weltweit haben die Salesianer bereits 12 Millionen Euro an Hilfsgeldern erhalten. Aus Deutschland stehen dank der überwältigenden Hilfsbereitschaft knapp 1,9 Millionen Euro Spenden für Nothilfe und Wiederaufbau zur Verfügung, 350.000 Euro wurden bereits verausgabt. Zahlreiche Schulen haben sich an Spendensammlungen beteiligt. Muller: „Wenn ich sehe wie Grundschüler ihre Sparbüchsen plündern und Achtklässler eine ganze Woche zugunsten der Kinder auf ihre Freizeit verzichten, wünschte ich mir, auf der bevorstehenden Geberkonferenz würde ein ähnlicher Geist der Solidarität herrschen.“

Muller betonte, man müsse im Falle Haitis in Jahrzehnten denken, nicht in Jahren. Während viele Hilfsorganisationen das Land bereits wieder verlassen, stehe man in den nächsten fünf Jahren vor der eigentlichen Herausforderung. Echte Entwicklungspartnerschaft lasse sich nicht in wenigen Monaten verwirklichen. Unerlässlich sei es, die Bevölkerung mit in die Wiederaufbaupläne einzubeziehen und nicht über die Köpfe der Haitianer hinweg zu entscheiden, so heißt es aus Bonn. Bisher sei die Zivilgesellschaft noch außen vor. Die Salesianer Don Boscos sind seit knapp 70 Jahren auf Haiti aktiv und betreiben dort mehrere Schulen, Ausbildungszentren und Straßenkinderheime, die bei dem Erdbeben am 12. Januar 2010 stark zerstört wurden.

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