Datenschutz bei Facebook: Wie die Privatsphäre erodiert

der Spiegel mal wieder über Facebook-Nutzer: Wie viel geben wir von uns preis? Man könnte ehrlicherweise auch sagen; wie doof sind wir eigentlich?

Da schau her: Was der Nachbar auf Facebook treibt, können Millionen andere sehen – weil er seine Privatsphäre-Einstellungen nicht kennt. Oder kennen will. Facebook wird immer komplizierter, nun regt sich Widerstand. Machen wir uns zu öffentlichen Menschen, oder werden wir dazu gemacht?

Facebook-Nutzer: Wie viel geben wir von uns preis?

Da schau her: Was der Nachbar auf Facebook treibt, können Millionen andere sehen – weil er seine Privatsphäre-Einstellungen nicht kennt. Oder kennen will. Facebook wird immer komplizierter, nun regt sich Widerstand. Machen wir uns zu öffentlichen Menschen, oder werden wir dazu gemacht?

Bohren Sie manchmal in der Nase?

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Kauen Sie an den Fingernägeln?

Schneiden Sie Grimassen vor dem Spiegel?

Nennen Sie Ihren Partner manchmal bei seltsamen Kosenamen?

Klar tun Sie das. Aber nur, wenn’s niemand mitbekommt.

Würden Sie solche Dinge auch dann tun, wenn gerade eine Überwachungskamera auf Sie gerichtet wäre? Wenn Sie wüssten, dass jede Handlung, jede Äußerung aufgezeichnet wird?

Natürlich nicht.

Für Sozialwissenschaftler und Psychologen ist das eine Binsenweisheit: Wenn man ein Verhalten beobachtet, verändert man es. Denn wer sich beobachtet fühlt, ob durch Menschen oder Technik, verhält sich anders. Menschen sind sogar dann verunsichert, wenn sie nicht genau wissen, ob sie beobachtet werden.

Genau dieses unangenehme Gefühl entwickelt sich im Netz zum Status quo. Alles ist so kompliziert geworden, dass keiner mehr so richtig weiß, ob er gerade beobachtet wird oder nicht. Das betrifft derzeit vor allem Facebook – und das geht einer wachsenden Zahl von Nutzern gegen den Strich.

Wer 2000 Follower bei Twitter hat, betreibt eine Publikation

Manche Dienste machen den gleitenden Übergang von privat zu öffentlich zum Prinzip. Wer sich etwa bei Twitter anmeldet, willigt implizit darin ein, sich von jedem anderen Nutzer beobachten zu lassen. Wenn man jemanden partout loswerden will, kann man ihn aussperren, man kann auch seine gesamte Aktivität als standardmäßig privat klassifizieren – aber das macht kaum jemand. Weil es der halböffentlichen Struktur des Dienstes zuwiderläuft.

Twitter macht deutlich, wie die Grenze zwischen privat und öffentlich verschwimmt:

  • Wer 20 Follower hat (von denen er die meisten womöglich persönlich kennt), kommuniziert noch innerhalb eines eher privaten Raumes.
  • Wer 200 hat, spricht vermutlich auch schon zu einigen, die er nicht kennt und vielleicht nie kennenlernen wird – wie ein Sprecher an der Speakers‘ Corner auf der Holzkiste.
  • Wer 2000 Follower hat, publiziert.

Twitter macht den gleitenden Übergang von privat zu halböffentlich zu öffentlich persönlich erfahrbar. Es konfrontiert jeden Nutzer aber auch von Anfang mit der Tatsache, dass theoretisch jeder Tweet öffentlich zugänglich ist. Er kann über die Twitter-Suche jederzeit gefunden werden, auch von Wildfremden, inzwischen auch über Bing und Google.

Entsprechend gebärden sich viele bei Twitter anders, als sie es zum Beispiel in ihrem Freundeskreis tun würden – überlegter, mit weniger Bezug zu besonders Privatem. Nur manche plappern drauflos. Das kann nach hinten losgehen. Ein 26-jähriger Brite musste eine Geldstrafe zahlen, weil er im Scherz twitterte, er werde einen Flughafen sprengen, falls sein Flug nicht pünktlich wäre. Die Polizei nahm ihn fest.

Facebook war früher einmal das soziale Netzwerk mit Privatsphäre

Dass Twitter ein privater Ort ist, würde wohl kaum ein Nutzer ernsthaft behaupten. Sich beobachtet zu fühlen, ist dort die Norm. Bei Facebook war das früher anders.

Jahrelang galt das soziale Netzwerk als die diskrete Alternative zu MySpace. Hier die Proleten und Teenager mit ihren grässlich dekorierten, komplett öffentlichen Profilseiten – dort die Ivy-League-Studenten mit Profilen im minimalistischen Design und erlesenem digitalen Freundeskreis. „Bis heute verbinden viele Menschen Facebook mit Privatsphäre“, sagt die Sozialwissenschaftlerin Danah Boyd. Facebook galt als Ort, an dem man vor sich hinpfeifen oder mit den Fingernägeln zwischen den Backenzähnen herumpulen konnte. Man war ja unter sich.

Nun hat Facebook umgebaut – und sich Kritik einhandelt. Viele Veränderungen am System des Networking-Dienstes selbst, aber auch an den Nutzungs- und Geschäftsbedingungen haben das einst so private soziale Netzwerk zu einem Ort gemacht, der ähnlich öffentlich ist wie Twitter. Nur, dass viele Nutzer das womöglich nicht ahnen.

Die prägnanteste Darstellung der „Evolution der Privatsphäre“ auf Facebook lieferte vor wenigen Tagen Matt McKeon, der in einer Forschungseinrichtung von IBM arbeitet. Seine bereits in weit mehr als hundert Blog-Einträgen verlinkte Grafik zeigt, wie sich innerhalb von fünf Jahren die Standardeinstellungen des Netzwerkes gewandelt haben: von „fast alles privat“ bis hin zu „praktisch alles öffentlich“. Man kann die meisten Einstellungen zwar ändern – aber der Trend, dem das Unternehmen folgt, ist eindeutig ablesbar.

Die Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation illustrierte dasselbe Phänomen trockener, mit einer Liste von Formulierungen aus Facebooks „Privacy Policy“ im Wandel der Zeiten. Die EFF spricht aber nicht von einer Evolution des Privaten wie McKeon, sondern von einer Erosion. „Das allgemeine Empfinden ist, dass wir Facebook nicht mehr trauen können“, schrieb der eigentlich als großer Facebook-Fan bekannte US-Tech-Blogger Robert Scoble am Donnerstag.

Privatsphäre-Einstellungen sind so kompliziert wie früher Videorecorder

Ein zentraler Vorwurf ist, dass all die Einstellungen auf Facebook so kompliziert sind, dass kein Mensch sie mehr versteht. „Online-Privatsphäre ist das neue Videorecorder-Programmieren“, titelte der „Business Insider“ schon vor gut einem Monat. Illustriert war der Eintrag mit Screenshots aller Seiten innerhalb von Facebook, auf denen man Privatsphäre-Einstellungen vornehmen kann. Zu sehen waren 25 unterschiedliche Schaltflächen. Zu viel Auswahl, auch das ist eine psychologische Binse, strengt an – da lässt man das Einstellen lieber gleich ganz.

Und das passt ins Konzept: Facebook will immer mehr private Daten standardmäßig öffentlich zeigen – und hat immer kompliziertere Einstellungsmöglichkeiten geschaffen. Diese Politik wird von manchen als aggressiver Akt interpretiert. Auch für Geübte ist es inzwischen schwer zu überblicken, was wann und wo öffentlich auftauchen wird.

Gründer Mark Zuckerberg rechtfertigte das Vorgehen in einem Interview im Januar so: Die Menschen hätten sich daran gewöhnt, mehr Informationen über sich selbst preiszugeben. Es gebe da eine „soziale Norm“, die sich mit der Zeit verändert habe. Zuckerberg glaubt nicht an soziale Rollen, daran, dass jemand eine Vater-Identität, eine Job-Identität und eine für seinen Freundeskreis hat. Der Mittzwanziger erklärte in einem Interview mit dem Blogger und Autor David Kirkpatrick dieses hundert Jahre alte, unter Psychologen als selbstverständlich geltende Konzept für obsolet: „Die Zeiten, in denen man für seine Kollegen ein anderes Image pflegte als für andere Menschen, die man kennt, werden wohl nicht mehr lange andauern“, wird Zuckerberg im Buch „The Facebook Effect“ zitiert. Er geht sogar noch weiter: „Zwei Identitäten zu haben, zeigt, dass es einem an Integrität mangelt.“

„Arrogant und herablassend“

Auch wenn so weit sonst kaum jemand geht – dass Privatsphäre weniger wichtig wird, glaubt man auch bei anderen Internetkonzernen. Google zum Beispiel. Als das Unternehmen seinen Social-Networking-Dienst Buzz startete, stieß auch dort das anfängliche Unverständnis für die Privatsphäre-Bedürfnisse der eigenen Nutzer auf heftigen Widerstand – auch dort wurde einfach und ohne zu fragen Privates mit weniger Privatem vermischt, in der Annahme, das störe ja keinen mehr.

In Wirklichkeit könnte es umgekehrt sein: Facebook und Co. nehmen weniger einen gesellschaftlichen Trend auf, als dass sie ihn schaffen. In „Wired“ war vor wenigen Tagen zu lesen, Facebook gehe es darum , „die Vorstellung der Welt darüber umzugestalten, was öffentlich ist und was privat“. Buchautor Kirkpatrick findet Zuckerbergs Haltung inzwischen „arrogant und herablassend“.

Doch der Widerstand gegen diese Entwicklung wächst. Facebook und seine Privacy-Einstellungen sind derzeit das Top-Thema der amerikanischen Tech-Blogs. Mehrere US-Senatoren verlangen Aufklärung und Änderungen von den Betreibern. Eine Truppe Software-Entwickler hat sich zusammengefunden, um ein freies, dezentrales Alternativ-Netzwerk namens „Diaspora“ zu entwickeln – und dafür bis Freitagvormittag fast 130.000 Dollar Spenden eingesammelt. Auch ein Rechtfertigungsauftritt des Facebook-Lobbyisten Eliot Schrage, der sich für die „New York Times“ Leserfragen stellte, konnte die Wogen nicht glätten. Besonders hämisch wurde eine Antwort Schrages aufgenommen, die darauf hinauslief, dass man ja nun selbst schuld sei, wenn man sich bei der Community anmelde.

Facebook selbst berief am Donnerstag alle Angestellten zu einer Sondersitzung ein, um über die Kritik zu diskutieren – was dort im Detail besprochen wurde, wird aber nicht verraten. Ein Sprecher teilte nur mit, es seien „Kommentare abgegeben, Fragen gestellt und beantwortet“ worden.

Wer sich abmelden will, wird emotional unter Druck gesetzt

Google-Ergänzung: Für "dele" ist der erste Vorschlag "delete facebook account"

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Google-Ergänzung: Für „dele“ ist der erste Vorschlag „delete facebook account“

Danny Sullivan von „SearchEngineLand“ stellte kürzlich fest, dass „how do i delete my facebook account“ („Wie lösche ich mein Facebook-Konto?“) derzeit ein häufig gesuchtes Thema bei Google ist. Gibt man in der englischen Version der Suchmaschine die Buchstaben „dele“ ein, wird einem als Ergänzung „delete facebook account“ vorgeschlagen – was dafür spricht, dass dieser Suchbegriff besonders häufig eingegeben wird.

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Wieso die Leute danach suchen? Weil ein Facebook-Profil außerordentlich kompliziert zu löschen ist. Und schon wer es nur zu deaktivieren versucht – die dezentere, weniger versteckte Variante -, bekommt Fotos von engen Freunden präsentiert: „XY wird dich vermissen! Deine x Freunde können dann nicht mehr mit dir in Kontakt bleiben.“ Sullivan vermutet auch, dass Facebook derzeit tatsächlich aktive Nutzer verliert, dies aber verschleiert. Zu verifizieren ist das nicht, Facebook bestreitet Sullivans Berechnungen.

Tatsächlich hat Facebook derzeit wohl kaum Grund, sich über Nutzermangel zu beklagen. Mittlerweile hat das Netzwerk mehr als 450 Millionen Mitglieder. Entweder haben all diese Menschen noch nicht bemerkt, dass sie dort permanent beobachtet werden. Oder es ist ihnen tatsächlich einfach egal.

Danah Boyd schrieb im April, viele Facebook-Nutzer unterlägen noch immer der Illusion, Kontrolle über den Datenfluss zu haben. Und fügte hinzu: „Unglücklicherweise verdeckt dieses Vertrauen die Tatsache, dass die meisten die Privatsphäre-Einstellung und ihre Bedeutung eben nicht verstehen.“

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