Womit wir im Netz unsere Zeit verbringen

Von wegen „Null Blog“ – soziale Netzwerke sind dabei, die wichtigste Anwendung im Internet zu werden. Sie stillen das menschliche Bedürfnis nach Vernetzung. Was machen die Menschen, wenn sie sich im Netz rumtreiben? Das Marktforschungsinstitut Nielsen hat das in den USA untersucht und kommt zu dem Schluss: Vor allem schauen sie sich Facebookseiten an.

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Der durchschnittliche Amerikaner verbringt laut Nielsen mehr als 60 Stunden im Monat online. Den größten Teil davon bei sozialen Netzwerken, insgesamt 22,7 Prozent. Erst mit großem Abstand folgen andere Angebote wie Onlinespiele (10,2 Prozent) und E-Mails (8,3 Prozent).

  • Privatsphäre
  • Vernetzung
  • Profil
Privatsphäre
Die 2004 gestartete Seite will nach Aussage ihre Gründers Mark Zuckerberg die Welt offener und vernetzter machen. Das gelingt ihr offensichtlich viel zu gut, gab es doch bereits häufig Proteste, Facebook nötige seine Nutzer zu mehr Offenheit, als diese sich wünschten. So sammelt die Seite E-Mail-Adressen und Telefonnummern auch von Nichtmitgliedern, wenn Mitglieder ihr Adressbuch bei Facebook speichern und nutzt diese Informationen, um Nichtmitglieder zu kontaktieren. Der Konzern hat inzwischen auf den Widerstand seiner Nutzer reagiert und zumindest die möglichen Einstellungen, welche Profilinformationen für wen sichtbar sein sollen, erneut überarbeitet.

Vernetzung
Aufgrund der Struktur der Seite ist es jedoch möglich, Schlüsse über jemanden zu ziehen, die er so nicht beabsichtigt hatte. Allein die als Freunde bezeichneten Mitglieder können durch ihre Interessen beispielsweise nahe legen, dass jemand homosexuell ist, auch wenn er selbst das nicht in seinem Profil angibt. Der hohe Vernetzungsgrad und die vielen verfügbaren Informationen machen es möglich, statistische Wahrscheinlichkeiten zu berechnen und so neue Schlüsse zu ziehen. Kritiker sagen, das Netzwerk könne beispielsweise für Dissidenten lebensgefährlich sein, da es Gruppenstrukturen durchschaubar mache.

Profil
Wer Facebook nutzen, aber so wenig wie möglich über sich verraten will, sollte beispielsweise keinen Gruppen beitreten und keine Interessen wie Musik etc. angeben. Was genau das eigene Profil nach außen sichtbar macht, lässt sich beispielsweise bei dieser Seite abfragen. Sie nutzt die offizielle API von Facebook, die Schnittstelle also, durch die externe Firmen Informationen über Mitglieder beziehen dürfen.

Das heißt noch nicht, dass soziale Netzwerke inzwischen zu der wichtigsten Anwendung im Netz geworden sind. Aber es heißt, wer sie nutzt, verbringt damit viel Zeit. Und das mit steigender Tendenz. Im Jahr zuvor lag die Zahl noch bei knapp über zehn Prozent. Im Gegensatz dazu steht das Schreiben von E-Mails nicht mehr an Platz zwei, sondern an Platz drei der Lieblingsbeschäftigungen im Netz.

In der Mitteilung zur Studie sagt Dave Martin, Analyst bei Nielsen: „Obwohl das Internet unendlich viele Möglichkeiten bietet, verbringen die Surfer doch gut 40 Prozent ihrer Online-Zeit mit nur drei Aktivitäten: sozialem Netzwerken, Spiele spielen und mailen.“

Dr. Max: Soziale Netzwerke

Glückliche Menschen tendieren dazu, sich in kleinen stark vernetzten Gruppen zusammenzufinden – unglückliche auch. Dr. Max über die Ausbreitung von sozialem Einfluss

Es gibt noch mehr Ergebnisse, die nahelegen, dass Vernetzung das eigentliche Interesse der Menschen ist oder sie das zumindest annehmen. Das Pew Research Center fragte vor Kurzem, ob das Internet wohl eher positive oder eher negative Auswirkungen auf unser Sozialleben haben wird. 85 Prozent der Befragten sagten, wenn sie an die Zukunft denken, werde das Netz vor allem positiven Einfluss auf soziale Beziehungen haben. Nur 14 Prozent waren der Meinung, es zerstöre sie eher, statt sie zu fördern.

Noch aber sind Facebook, StudiVZ & Co. nicht die wichtigsten Anwendungen. Werden nur die Aktivitäten aller Amerikaner betrachtet und nicht die online verbrachte Zeit, sieht das Bild etwas anders aus. Demnach versenden 45 Prozent der erwachsenen Amerikaner täglich E-Mails, 40 Prozent nutzen eine Suchmaschine, aber nur 15 Prozent ein soziales Netzwerk. Im Netz spielen tun dann nur noch fünf Prozent.

Womit wir im Netz unsere Zeit verbringen

Und dabei sind die Vereinigten Staaten noch nicht einmal das Land, in dem soziale Netzwerke die höchste Akzeptanz genießen. Wie ebenfalls Nielsen beobachtete, führt Brasilien diese Liste an. Dort nutzen sie 80 Prozent der Onliner, in den USA sind es „nur“ 67 Prozent und in Deutschland – zum Vergleich – 51 Prozent der Internetnutzer.

Was das nun bedeutet? Längst nicht alle sind online, doch wer es ist, der nutzt auch soziale Netzwerke und wird das künftig noch stärker tun. Eine Binsenweisheit? Nicht unbedingt. In der Konsequenz nämlich heißt das, dass die aktuelle These des Spiegel Unsinn ist, die da lautet: „Null Blog – die Moden des Web 2.0 sind den Teenagern egal. Es gibt für sie immer noch Wichtigeres im Leben.“

Denn beide Kurven bewegen sich steil nach oben, die der weltweiten Internetnutzer und die, die sich mittels „Moden des Web 2.0“ verknüpfen. Blogs mögen viele Menschen nicht interessieren und auch nicht Zeitungen oder Twitter. Sich vernetzen und kommunizieren aber wollen fast alle. Und die neuen Möglichkeiten der weltweiten Vernetzung werden unsere Gesellschaften ganz sicher verändern. Noch viel stärker, wenn die, die jetzt damit aufwachsen, erst groß sind.

Wie Matthias Schwenk bei carta.info über die Spiegel-These schreibt: „Es ist, als beobachtete man den Vogel im Käfig und käme zum Schluss, er könne gar nicht fliegen.“

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