als Zahnarzt in Afrika

ein Interessanter Beitrag zum Thema Zahnarzt in Afrika war vor kurzem in den Medien präsent

Wann waren Sie zuletzt beim Zahnarzt? In Mosambik kann es passieren, dass Erwachsene auf diese Frage antworten: Noch nie. Denn das südostafrikanische Land gilt als eines der ärmsten der Welt.

 

Eine Versorgungslücke zu füllen – darin sieht ein junger rumänischer Zahnarzt seine Berufung. In einer christlichen Missionsstation hat er eine Praxis eingerichtet, regelmäßig fährt er mit einer mobilen Klinik in entlegene Dörfer, um Menschen zu behandeln, die meistens schon seit Jahren an Zahnschmerzen leiden.

 

Rauer Weg zum Einsatzort

 

Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Ankunft der mobilen Klinik in ChupangaIm Morgengrauen bricht Christi Osan auf. Der dunkelblonde Zahnarzt sitzt selbst am Steuer der mobilen Klinik, einem umgebauten Pferdetransporter. Routiniert manövriert er an tiefen Schlaglöchern in der ausgefahrenen Sandpiste vorbei. Feiner roter Staub wirbelt durch das offene Fenster, legt sich auf die blassen Unterarme des 29-jährigen Rumänen: „Jeden Monat sind wir mindestens einmal mit der mobilen Klinik unterwegs. Jedes Mal bleiben wir 5 bis 6 Tage an einem Ort und helfen dort, so viel wir können.“

 

Ankunft in Chupanga, einem entlegenen Dorf am Ufer des Sambesi-Flusses. Kleine Maisfelder umgeben die grasgedeckten Hütten, am kommunalen Brunnen pumpen Frauen Wasser in ihre Plastikkanister, balancieren sie auf dem Kopf nach Hause. Mehrere dutzend Kinder drängen sich um die mobile Klinik, schauen neugierig zu, wie der Zahnarzt und seine Helfer eine möglichst ebene Fläche als Parkplatz wählen, Steine vor die Reifen legen und den Generator für die Stromversorgung anschließen.

 

Gespannte Erwartungen bei den Patienten

 

Etwa 20 Erwachsene beobachten die Vorbereitungen mit etwas Abstand. Sie hocken auf Steinen im Schatten unter einem Baum. Die Frauen haben bunte Tücher um ihre Hüften gewickelt, die Männer tragen lange Hosen und Hemden. Sonntagskleidung. Einer von ihnen stellt sich als Francisco Alvin vor. Der 66-Jährige wartet schon seit mehreren Stunden: „Ich leide bereits seit zehn Jahren unter Zahnschmerzen. Vielen hier geht es ähnlich. Denn bis zum nächsten Krankenhaus ist es ein weiter Weg.“

 

Ausprobiert hat er schon allerlei traditionelle Heilmittel. Pasten aus Blättern und Wurzeln vom Medizinmann. „Manchmal konnten sie mir etwas Linderung verschaffen, aber die Schmerzen kamen immer wieder. Ich war schon soweit, zur Klinik zu gehen, aber dann haben mir Nachbarn erzählt, dass bald ein Zahnarzt in unser Dorf kommen würde. Also habe ich auf ihn gewartet.“

 

Zähneputzen mit kleinen Zweigen

Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift:  Patienten warten bis sie an der Reihe sindEr putze seine Zähne jeden Tag morgens und abends, erzählt der freundliche alte Mann weiter und hält ein zerkautes, am Ende ausgefranstes Stöckchen hoch. Ein Zweig eines Strauchs aus der Gegend, der etwas bitter schmeckt und antibakteriell wirken soll.

 

Im Pferdetransporter hat Christi Osan inzwischen alles vorbereitet: Der Linoleum-Boden rund um die beiden Zahnarztstühle ist sauber gefegt, auf einem sterilen Tuch liegen die Instrumente, einige noch in Plastik verpackt, die Klimaanlage läuft. Trotzdem schwitzt der Zahnarzt in Shorts und weißem Kittel. Die Einweghandschuhe kann er nur mit Mühe über seine feuchten Hände ziehen. Temperaturen, die wie heute weit über 35 Grad liegen, sind für den korpulenten Rumänen eine Qual. Warum er das alles auf sich nimmt? Er lächelt: „Es war Berufung. Ich habe Gott gebeten, mir zu helfen, die finanziellen Hürden des Studiums zu überwinden und im Gegenzug versprochen, ihm mindestens drei Jahre lang durch meine Arbeit zu dienen.“ Im Radio hat er dann gehört, dass in einer Missionsstation hier in Mosambik Zahnärzte gebraucht werden, also fuhr er hin, sah sich alles an und seit Mai 2009 lebt und arbeitet er hier mit seiner Familie.

 

Betäubung gegen Schmerzen und Angst

 

Osans Assistent, ein junger Missionar aus Brasilien, bittet den ersten Patienten herein. Es ist Francisco Alvin. Der grauhaarige Mann setzt sich vorsichtig auf den Stuhl, lehnt sich erst zurück, als er darum gebeten wird. Es gelingt ihm nicht, seine Nervosität ganz zu verbergen. Osan zieht sich den Mundschutz über, beginnt mit der Untersuchung. Als er auf den kranken Backenzahn stößt, stöhnt sein Patient auf. „Weil ich hier kein Röntgengerät habe, kann ich nicht wissen, was unter dem Zahn ist. Von außen sieht er noch gut aus. Angesichts der starken Schmerzen gehe ich von einer Infektion aus“, so der Doktor. In diesen Fällen bleibt ihm nichts anderes übrig, als den Zahn zu ziehen. Das ist das Problematische hier in Mosambik: Ohne zu röntgen bleibt ihm meistens keine andere Wahl.

 

Der Zahnarzt betäubt die Stelle mit einer Spritze, wartet eine Weile, bis sie taub ist. Viele Menschen hier wissen nichts von Betäubungsspritzen, erklärt er: „Ich erinnere mich noch gut daran, als ich hier den ersten Zahn gezogen habe. Ich habe alles so gemacht, wie ich es zuhause gelernt habe. Doch der Patient hat mir wütend vorgeworfen, dass ich ihm etwas vorgespielt hätte, da er ja keine Schmerzen verspürt habe. Das hatte er vorher noch nie erlebt.“

 

Basisversorgung mit Basisprodukten

 

Der junge Zahnarzt überzeugt sich, dass die Betäubung gewirkt hat, stellt sich breitbeinig hinter seinen Patienten, setzt die Zange an, zieht den Zahn mit einem Ruck, zeigt ihn dem 66-Jährigen, bevor er ihn in die Mülltonne fallen lässt. Francisco Alvin bekommt Schmerzmittel, Antibiotika, eine Zahnbürste und Zahnpasta mit auf den Weg. Dankbar schüttelt er dem Doktor die Hand, bevor er wieder nach draußen geht. „Ich war zum ersten Mal beim Zahnarzt. Daher wusste ich nicht, was mich erwartet. Ich hatte damit gerechnet, dass es sehr schmerzhaft sein würde, aber ich habe es nicht einmal gespürt, als der Zahn gezogen wurde.“

 

Christi Osan behandelt an diesem Tag noch rund ein Dutzend andere Patienten. Zu seinem Leidwesen muss er fast ausschließlich Zähne ziehen. Bei Sonnenuntergang sitzt er mit einem kalten Getränk auf den Stufen der mobilen Klinik. Die Nacht wird er mit seiner Familie im Zelt verbringen, bevor die Menschen am nächsten Tag wieder Schlange stehen.

 

Autorin: Leonie March

Redaktion: Dirk Bathe

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