Dank Patenschaften der „Dentists for Africa“ können Aids-Waisen die Schule besuchen / Paten gesucht

Es gab da einen ganz besonderen Moment während des Kenia-Aufenthaltes von Steffi Schatz. Es war ein Moment, der ihr richtig ans Herz griff. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Zahnärztin schon einige Wochen ehrenamtlich in Kaplanboi gearbeitet; über die Vermittlung des deutschen Vereins „Dentists for Africa“ (Zahnärzte für Afrika) war sie aus ihrer Praxis in Nuthetal in das Dorf gewechselt, das sogar für kenianische Verhältnisse so ziemlich am Ende der Welt liegt.

Um ihr den Alltag zu erleichtern, hatte man ihr einen Begleiter zur Seite gestellt, einen hilfsbereiten jungen Mann. Eines Tages lud er die Ärztin ein, mit zu seiner Mutter zu fahren. Doch statt der pittoresken Hütte im Busch – toll für jedes Fotoalbum – bekam Steffi Schatz die ungeschminkte Realität Kenias zu sehen. „Die Mutter meines Begleiters lebte mit fünf Kindern in einem kleinen Mietzimmer. Ihr Mann war verschwunden. Sie war arbeitslos und konnte das Schulgeld für ihre Kinder nicht zahlen.“ Steffi Schatz hat einen achtjährigen Sohn. Genauso alt ist er wie Samuel, der da in dem Zimmerchen hockte und Schule nur vom Hörensagen kannte. Die Zahnärztin entschied sich spontan: „Ich habe die Patenschaft für den Jungen übernommen.“ Little Samuel kann nun eine Internatsschule besuchen; auch für alle anderen Dinge des Alltags ist gesorgt. Das Patenschafts-Geld – 400 Euro pro Jahr – geht auf ein Konto der „Dentists for Africa“, die es dann nach Kenia überweist. Weil der Verein kein Geld für Werbung und Flyer ausgibt, komme das Geld hundertprozentig vor Ort an, betont Steffi Schatz: „Wir sind ausschließlich gemeinnützig tätig, finanzieren unsere Arbeit durch Spenden und Mitgliedsbeiträge, betreiben die gesamte Arbeit ehrenamtlich und haben deshalb kaum Verwaltungskosten.“ Vor Ort kümmert sich eine katholische Nonne. Ehrenamtlich.

In Kaplanboi ist der Draht zwischen Kirche und medizinischen Ehrenamtlern kurz und unkompliziert. Man kennt und schätzt sich. Die Zahnärzte aus Deutschland haben Kaplanboi ein bisschen aus der Isolation geholt: „Bis dahin mussten die Menschen 25 Kilometer bis zur nächsten Zahnklinik laufen“, erzählt Pfarrer Samuel Kinyanjui Chege, der in dieser Woche bei seiner ersten Europareise auch Potsdam besucht hat. Er war unter anderem bei seinem Amtskollegen von der russisch-orthodoxen Kirche in der Alexandrowka, Vater Anatolij Koljada. Doch trotz der Urlaubsstimmung spürt man, dass den 35-jährigen Theologen die Gedanken an sein anspruchsvolles Amt daheim in Kaplanboi nicht loslassen. Denn das Schicksal seines kleinen Namensvetters, des Halbwaisen Samuel, ist noch vergleichsweise gnädig. In der Schule, die der Kleine nun dank Steffi Schatz besuchen kann, sitzen nämlich hauptsächlich Aids-Waisen in den Bänken. Ihre Eltern sind Opfer der grassierenden Seuche. Und so kommen die Patenschaften der Zahnarzthilfe hauptsächlich diesen Kindern zugute. Dafür ist Pfarrer Samuel dankbar.

Ihm und seinen geistlichen Amtsbrüdern im aidsgeplagten Afrika hat der Vatikan eine besonders schwere Aufgabe aufgebürdet. Offiziell dürfen sie nicht den Gebrauch von Kondomen befürworten. Den Aidskranken müssen sie stattdessen absolute Enthaltsamkeit ans Herz legen. Dass dies weltfremd ist und tragische Folgen hat, ist wohl auch dem jungen Gottesmann klar. Wenn er seinen Gemeindekindern die offizielle Position des Papstes in Sachen Verhütung verkündet hat, legt er stets einen persönlichen Rat nach: „Folgt immer eurem Gewissen!“

Interessenten an einer Patenschaft können sich bei Steffi Schatz unter 033200/8 37 75 informieren. (Von Ildiko Röd)

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