Famulatur in Kuba

Dieser Bericht hat zwar nichts mit Zahnmedizin zu tun, trotzdem ist er sehr interessant, weil die Situation vor Ort sehr gut beschrieben ist.

Havanna
Eine sagenhafte Stadt, die mehr als nur billigen Mojito und traumhafte Strände
zu bieten hat.
Fach: Gynäkologie/Geburtsmedizin
Zeitraum: 24.08.2009 bis 11.12.2010 (1. Tertial)
Universität: Instituto Superior de Ciencias Medicas (http://www.ucmh.sld.cu/)
Lehrkrankenhaus: Hospital de Maternidad, América Arias, La Habana, Cuba
Calle de los Presidentes (G) y Linea, Vedado/La Habana/Cuba.
Ansprechperson für die Bewerbung
Die Bewerbung erfolgt direkt über die „Charité- International Cooperation- CHIC“ der Universitätsklinik
Charité. An der Charité immatrikulierte Studierende können ihre Bewerbung an Frau Heller schicken.
Welche Unterlagen hierzu notwendig sind und wann die Bewerbungsfristen für die jeweiligen Turni
sind, erfährt man einfach unter:
http://www.charite.de/studium/international/internationale_partner/kuba/.
An der Charité Nicht-Immatrikulierte können theoretisch auch Direktbewerbungen an das Instituto
Superior de Ciencias Medicas schicken: http://www.ucmh.sld.cu/. Das ist aber ein sehr mühsamer
Weg voller Steine, der viel Geduld und Hartnäckigkeit verlangt. Dennoch, ich kenne Freunde, die sich
diesen Strapazen gestellt haben und in den Genuss eines Tertials in Havanna kamen. Ansprechpartnerin
wäre Luisa Gámez Fonseca. Man sollte jedoch bedenken, dass selbstorganisierte Tertiale mit
Unkosten verbunden sind, welche in einem Land der Diskrepanz zwischen Moneda Nacional und
Convertibles sehr hoch sein kann. Nicht zu vergessen, ist die Absegnung des Auslandtertials vom
entsprechenden Landesprüfungsamt. Wird das PJ vom CHIC organisiert, braucht man sich um die
Anerkennung keine Sorgen zu machen.
Motivation
Warum Kuba? Warum überhaupt Ausland, wo doch das eigene Land eine Vielzahl an PJ-Stellen zur
Auswahl stellt?
Das Medizinstudium ist eines weniger Studiengänge, welches sich wunderbar mit Auslandsaufenthalten
während der Studienzeit verbinden lässt. Seien es ganze Semester im Ausland im Rahmen von
Erasmus-Programmen, Pflegepraktika, Famulaturen, Volunteering oder eben das PJ. Das nicht zu
nutzen, wäre fatal. Gerade als Mediziner sollte man seinen Horizont so weit wie möglich halten, hat
man doch als angehende Ärztin/angehender Arzt Kontakt mit jedem Typ Mensch, kulturell, sozial oder
ökonomisch so mannigfaltig wie die Welt nun mal ist. Schade ist es, wenn man 6 Jahre lang, an seiner
Heimatuni bleibt und dann überfordert und einfach nur verschlossen und blind an die Patienten herangeht.
Kein Wunder, wenn dann die Fremdenangst einen jeden daran hindert, unvoreingenommen und
empathisch sich seinen Patienten zu stellen. Vor allem in einer Stadt wie Berlin darf es so etwas wie
Fremdenangst nicht geben! Das wäre meine allgemeine Motivation überhaupt ins Ausland zu gehen.
Warum nun gerade Kuba? Hier wird es schon schwieriger, eine eindeutige Motivation in Worte zu
fassen. Ich wollte definitiv in ein spanisch sprachiges Land, um mein medizinisches Spanisch auf Fordermann
zu bringen. Zuvor hatte ich bereits 6 Wochen in Mexiko famuliert gehabt, das hat mir Mut
gemacht, meinen Aufenthalt auf 16 Wochen auszudehnen. Das Mexiko und Kuba andere Welten sein
würden, war mir von Anfang an klar. Man hört sehr wenig von Kuba. Es ist ein eher in sich -politisch
verständlich- verschlossenes Land, was sich den ausländischen Einflüssen widersetzt. Umso spannender
war der Gedanke, in diesem mysteriösen Land 16 Wochen lang zu leben und Teil dieser Gesellschaft
zu werden. Eine einsame Insel mit dem nötigsten zum Leben!
Fachgebiet
Ich habe mich bei meinem Tertial für Gynäkologie/Geburtshilfe entschieden. Warum? Die Kubaner
haben Erfahrung mit Deutschen in folgenden Gebieten: Chirurgie, Innere Medizin, Gynäkologie/
Geburtshilfe, Pädiatrie und Anästhesie.
Man sollte sich für ein Fach entscheiden, wo man viel Praktisches mitnehmen kann und wo man
sprachlich nicht überfordert ist. Als PJ’ler in Kuba ist man quasi Arzt. Das darf man nicht vergessen.
Wenn man diese Anforderung nicht erfüllen kann, ist es schwierig, Teil dieses Gesundheitssystems zu
werden. Ferner muss man bedenken, dass man als PJ’ler in der Chirurgie und auch in der operativen
Gynäkologie Instrumenteur ist, quasi die OTA. Wegen begrenzter Materialien und apparativer Ausstattung
muss man in Fächern wie Anästhesie damit rechnen, dass man nur das Allernötigste kennen
lernt. Wie hilfreich, dass für die Examensvorbereitung ist, müsste man diskutieren. Ich wollte ein Fach
wählen, in dem ich so viel wie möglich selbst Hand anlegen kann und praktisch tätig sein kann. Dass
die Frauenheilkunde hierfür perfekt ist, habe ich bereits in früheren Famulaturen in Entwicklungsländern
wie Tansania gelernt. Ein Geheimtipp der Einheimischen und lateinamerikanischen Gaststudenten:
Pädiatrie und Gynäkologie haben den besten Ruf!
Vorbereitung und Bewerbung
Ich habe mich relativ kurzfristig beworben, vielleicht 2 Monate vor Bewerbungsfrist-Ablauf direkt im
CHIC. Hierbei muss man mit ca. doppelt soviel Bewerbern wie Plätzen rechnen. Der Bewerbungsablauf
war sehr unkompliziert. Einige Wochen nach Fristablauf wurde ich vom CHIC zu einem kurzen
Vorstellungsgespräch eingeladen, bei dem Ich nochmals persönlich meine Motivation in Worte fassen
sollte. Gegenseitige Fragen wurden hier beantwortet. Wieder einige Wochen später erfuhr ich dann zu
den Glücklichen zu gehören. Das CHIC verschickt dann eine Email mit allen Auserwählten, so dass
man sich untereinander kurzschließen kann und alles weitere Organisatorische gemeinsam bewältigen
kann.
Das Allerwichtigste denke ich ist es ausreichend Spanisch-Kenntnisse zu haben. Für die Bewerbung
muss man auch einen Nachweis hierüber beifügen. Ich hatte zuvor in der Schule 2 Jahre eine Spanisch-
AG besucht. Anschließend habe ich während der Studienzeit am Cervantes-Institut in Berlin 2
Jahre lang Spanisch gelernt; sehr zu empfehlen sind ihre Kurse „Módulo 1-4“. Das CHIC selbst bietet
dann noch einmal im Semester „Spanisch für Mediziner“ als Kurs an. Hier erlernt man an vier Tagen
aus Spanisch Arzt-Patienten-Gespräche zu führen.
Literaturempfehlungen
Eiszeit in den Tropen. Botschafter bei Fidel Castro; von Bernd Wulffen.
Warten auf Schnee in Havanna; von Carlos Eire.
Als Reiseführer kann ich neben dem Lonely Planet auch sehr den Havanna-Reiseführer von Wolfgang
Ziegler/Michael Müller-Verlag empfehlen.
Visum
Am einfachsten reist man mit einer Touristenkarte ein, welche man sich einfach beim Konsulat in Berlin
holt.
E-Mail: recepcion-consulado@botschaft-kuba.de
Öffnungszeiten: Mo.-Fr.: 8:30 – 11:30 Uhr
Mi.: zusätzlich 14:00 -16:00 Uhr
Tel.: (030) 44737023
Das ganze läuft sehr unkompliziert ab. Man nimmt zu den Öffnungszeiten mit:
– die ersten 2 Seiten des Reisepasses in Kopie
– 22 € in Bar
– das ausgefüllte Antragsformular
Letzteres kann man sich einfach unter http://emba.cubaminrex.cu/Default.aspx?tabid=9840
? Touristenkarte zu finden.
In Kuba muss man dann ins Ministerio de Salud Publica an der Rampa (so heißt die Hauptstrasse).
Dort muss man als erstes die Touristenkarte in ein Studentenvisum, welches einen weiteren Monat
gültig ist, umschreiben. Die Abteilung heißt „Departemento de Relaciones Internationales“. Cave: Hier
spricht keiner Englisch! Am Eingang muss man ein Lichtbildausweis (ISIC oder so reicht aus) abgeben,
dann bekommt man eine Besucherkarte und darf eintreten. Das ganze kostet wieder leider. Man
zahlt allerdings nicht cash sondern wird aufgefordert, zur Bank zu gehen und sog. „sellos“ zu holen,
das sind Wertmarken. Die nächste Bank, die diese Marken verkauft, ist auf der Rampa Richtung Malecon
direkt auf der rechten Seite, dort wo auch die Airline Airfrance ihren Sitz hat.
Nun gibt es auch die Möglichkeit sich ein sog. Carné zu besorgen, damit ist man quasi begrenzt eingebürgert
und bekommt theoretisch gesehen überall Rabatt. Man verliert zumindest auf dem Papier
den Touristenstatus und hat das Recht, kubanische Preise bei Kino, Museum und Co zu zahlen. Der
Weg zum Carné ist allerdings mühsam und im Nachhinein hätte ich auch gut auf diesen Ausweis verzichten
können. Die Bearbeitung dauert 2,5 Monate, so dass ich nur die letzten 6 Wo ein Carné hatte.
1 Woche vor Abreise muss man wieder hin und eine Ausreisegenehmigung (permiso de salir) beantragen,
was auch wieder Geld (sellos) kostet. Also sollte man sich das drei mal überlegen.
Impfungen, geforderte ärztliche Untersuchungen
Luisa vom Departemento de Relaciones Internationales, bei der man sich vor Ort melden muss, hat
verlangt:
– einen persönlichen HIV-Test: Ich habe diesem im Tropeninstitut am DRK-Westend durchgeführt
und konnte ihn in englischer Sprache nach 3-4 Tagen abholen. Die Kosten musste ich
leider selber tragen. Andere Freunde von mir haben die Betriebsärzte im Virchow-Klinikum
dazu gebracht, den Test kostenlos durchgeführt zu bekommen. Wie immer eine Frage der
Hartnäckigkeit mit dem Berliner Arbeitsmedizinischen Zentrum der Charité.
– Auslandsreiseversicherung: Diese habe ich bei der MLP kostenlos abgeschlossen. Kann ich
trotz Hin und Her weiterempfehlen. Am Ende hat mir die Versicherung sogar meine gestohlene
Kamera zurückerstattet.
– zusätzliche Haftpflichtversicherung über die Universität: zu meiner Zeit hieß die Einrichtung
Feuersozietät, mittlerweile heißt sie anders. Am besten man fragt im Referat für Studienangelegenheiten
nach. Tel. 030-450576042
– Nochmals den ausgedruckten Lebenslauf.
– Nochmals das Bewerbungsschreiben ausgedruckt.
– 2 Fotos
– Kopie des Reisepasses.
Man sollte unbedingt einen Hep B- und A-Impfschutz haben!
Das Krankenhaus
Die Universitätsklinik, welche Kooperationspartner der Charité ist heißt „Calixto Garcia“. Dort wird man
auch von Luisa aus dem Instituto Superior de Ciencias Medicas (übrigens, das Institut sitzt in Girón,
das ist ca. 30 min. mit einem Taxi von Vedado entfernt; unbedingt Preis aushandeln, mein Vorschlag:
7 CUC. Vorher am besten bei Luisa anrufen und einen Termin vereinbaren.). Im Calixto Garcia trifft
man sich dann mit der Dekanin Esperansita, wie sie verniedlicht von den Studenten genannt wird.
Luisa entscheidet dann mit der Dekanin zusammen, in welchem Lehrkrankenhaus man sein PJ absolvieren
kann. Chirurgie und Innere gehen problemlos im Calixto Garcias selbst. Gynäkologie gibt es
dort allerdings nicht. In Havanna gibt es wohl 2 Kliniken für Frauen:
a) Hospital America Arias, Calle G y Linea, Stadtteil Vedado.
b) Ramon Gonzales Coro, Calle 23 y 6, Stadtteil Vedado.
Ich wurde dem ersteren zugeteilt. Von meiner Wohnung aus waren es 30 min. Fußweg, die ich gerne
in Kauf nahm. Möchte man nicht laufen, kann man auch die öffentlichen Busse benutzen (Bus P1 und
P5). Oder man fährt mir einer sog. Machina, das sind die Massen-Taxen für offiziell Kubaner, wenn
man ein Carné besitzt, kann man auch ganz legal damit fahren.
Am ersten PJ-Tag wird man dann von einer Professorin des Calixto Garcias zur jeweiligen Klinik begleitet
und dem dortigen Lehrbeauftragten vorgestellt. Esperansita schreibt eine sog. Carta de Presentacion,
die man unbedingt mitnehmen soll. Da ich die erste Austausch-PJ’lerin war, die die Klinik jemals
bekam, wussten sie am Anfang nur wenig mit mir anzufangen. Als sie dann erfuhren, dass ich
„Interna“ (PJ’lerin) wurden die Augen und Erwartungen ganz gross und prompt fand ich mich auf der
Station mit dem anderen Internos des ELAM-Programmes (Estudiantes latinamericanos). Das sind die
lateinamerikanischen Studenten, die aus politischen oder sozialen Gründen die Chance bekommen,
auf Kuba kostenlos jedoch unter ärmsten Bedingungen Medizin zu studieren. Mitten in einer Lehrvisite
in der Sala C (Gineco) sollte ich mich vorstellen. Überfordert von Hitze und Menschen tat ich es.
Schnell wurde man von den anderen Internos in den Arbeitsalltag integriert. Ich lernte den Tages- und
Wochenablauf auf Station kennen.
Im Hospital America Arias, welches im Volksmund auch als „Maternidad de Linea“ bekannt ist, ist die
gesamte Frauenheilkunde vertreten. Auf drei Ebenen verteilt findet man:
– eine Sala C, das ist die Gynäkologische Station.
– Eine Sala G, hier liegen sämtliche Risikoschwangerschaften: Placenta praevia, Schwangerschafts-
Hypertonus, CIUR (crecimiento intraunterino rertardado), etc.
– Sala H, hier liegen Patientinnen, die eine Sectio erhielten
– Sala J/K, auch genannt Sala de Puerperio, also die Wöchnerinnen-Station
– Sala I, hier liegt jede mit Gestationsdiabetes
– Sala de Perinatales
– Salon de Partos, der Kreissaal
– Cuerpo de Guardia, das ist die Rettungsstelle.
Am ersten Tag, bespricht die Lehrverantwortliche mit dir, wo du überall rotieren möchtest. Am besten
man schaut sich alles an.
Ich habe mich für 8 Wochen Gynäkologie und 8 Wochen Geburtshilfe entschieden. Empfehlen würde
ich daher folgende Kombination:
4 Wo Sala C/Ginecolojia
4 Wo Cuerpo de Guardia, also die Notaufnahme.
3 Wo Salon de partos
1 Wo Diabetes und Schwangerschaft
3 Wo Allgemeine Geburtshilfe-Station: Hipertensión/Placenta praevia/CIUR (die lehrreichste Station!)
1 Wo Wöchnerinnen-Station.
Gearbeitet wird von Montag bis Samstag von 8 Uhr morgens bis offiziell 16 Uhr, allerdings hat man
eigentlich immer um 13 Uhr Schluss. Täglich sollen 2 Internos bis 16 Uhr noch auf Station bleiben,
hier wechselt man sich also mit den anderen Studenten ab.
Wir waren insgesamt vielleicht 10 Internos pro Turnus. In meinen 16 Wochen habe ich 2 Gruppen
kennen gelernt. Die Studenten machen insgesamt 8 Wochen Gyn/Geb. Einmal wöchentlich gibt es ein
„Seminario“, also eine mündliche oder selten schriftliche Prüfung bestimmter Themengebiete. Nach
den 8 Wochen gibt es dann eine schriftliche und eine praktisch-mündliche Prüfung.
Die Themen der Seminare sind:
– Afecciones malignas del útero
– Climacterio y menopausia
– Trastornos menstruales
– Alteraciones del término de la gestación
– Enfermedad hipertensiva de la gestación
Zusätzlich sollte man zu den Vorlesungen des 3./4. Jahres gehen. Hier hören die Studenten zum erstem
Mal von den oben genannten Themen. Sich vor- und nachbereiten kann man mit Literatur, welche
man vom Lehrsekretariat ausgeliehen bekommt. Diese Bücher („Rigol“, diverse Bücher vom Ministerio
de Salud Publica) sind fast immer in katastrophalem Zustand, meist fehlen Seiten. Ich habe mir
daher die selbe Literatur nochmals digital besorgt. Bei Bedarf schicke ich diese gerne zu. Die Dozenten
haben sehr viel Verständnis und Geduld mit einem als „Alemana“, dennoch erwarten sie, dass
man sich auch vorbereitet und am Unterricht beteiligt. Es ist sehr hilfreich, Kontakt zu den Mitstudenten
aufzubauen, so erfährt man vieles, was man sonst nie mitbekommen würde: Wo kann man sich
Batas con mangas cortas (also kurzärmelige dünne Kittel) besorgen, wo kann man eventuell medizinische
Bücher besserer Qualität ausleihen (für die Bibliothek der Universidad de La Habana benötigt
man das Carné!) oder wie kann man einen Internet-Anschluss sich besorgen.
Einmal wöchentlich muss man eine „Guardia“, also eine Nachtschicht machen. Die Guardia fängt um
16 Uhr an. Endet tut das Ganze am nächsten morgen um 7:30. Das ist gewöhnungsbedürftig, wenn
man bedenkt, dass man dann 30 min. am nächsten Morgen Zeit hat, um sich für den neuen Morgen
frisch zu machen. Dennoch, die guardias sind sehr lehrreich. Abwechselnd verbringt man die guardias
im Kreisssaal und in der Sala de cuidados perinatales, wo Frauen beobachtet werden, die kurz vor
Entbindung sind und bei ausreichender Dilatation und Kontraktionsfrequenz- und -stärke in den Salon
de partos transferiert werden. Im Kreisssaal können stets 5 Frauen gleichzeitig betreut werden. ? ei
Transfer in den Kreissaal muss man als erstes alles schriftlich als Recibimiento festhalten. Generell ist
der Schreibaufwand in der Klinik sehr hoch und man fragt sich als Europäer warum alles doppelt und
dreifach wiederholt erfasst werden muss. Anschliessend überprüft man als Interna alle 15 min. die
Dauer und Anzahl der Kontraktionen in 10 min. Wie? Hand auflegen! Dann muss man noch mit dem
Esteto de Pinard die fetalen Herztöne hören, und zwar vor, während und nach einer Kontraktion. Nach
dem ersten Rundgang wird die Kreisende dann vaginal von den Ärzten bzw. den Internos unter Aufsicht
untersucht, es wird die Dilatation und der Charakter des Muttermundes erfasst. Für Salon de
Partos und Sala de cuidados perinatales gibt es 2 PJ’ler und ca. 5 Studenten aus dem 3./4. Jahr. Organisiert
wird alles von den Internos! Das kann einen am Anfang sehr überfordern, doch schnell lernt
man, Verantwortung zu übernehmen und Anordnungen an die Studenten zu verteilen. Überwacht wird
alles von den Ärzten. In meinem Team gab es einen Jefe de Guardia, 2 weitere OÄ sowie 2 Assistenzärzte.
Auf der Überwachungsstation werden alle stündlich die oben genannten Dinge erfasst und
schriftlich festgehalten. Bei allen Frauen wird am Anfang ein CTG geschrieben. Mit den OÄ zusammen
wird dann entschieden, ob die Entbindung mittels Oxitocin induziert werden sollte oder ob man
auf eine spontane Geburt warten kann. Nach der Entbindung verbringen die Damen ihre ersten 4
Stunden (Puerperia inmediata) noch im Kreissaal. Alle 15. min. in den ersten 2 h und alle 30 min. die
folgenden werden hier Mutter und Kind von den Internos untersucht. Wenn im Kreissaal Ruhe einkehrt,
sollte man eine Nacht auch unbedingt mal in die Notaufnahme. Nirgendwo sonst kann man
soviel Praktisches und Eigenverantwortliches tun.
Auf Station sieht der Alltag folgendermaßen aus:
Jeden morgen um 8h versammelt sich das gesamte Klinikpersonal und bespricht Ein- und Austritte,
freie Betten etc. Danach gehen alle gemeinsam rasch zum Imbiss vor der Klinik und frühstücken:
„Empanadas con guajaba oder coco“, cafe, refresco. Dann geht es ab auf Station. In der Regel hat
man 8 Betten (Anfangs erst mal 2-3 ?), um die man sich als Interna kümmert: Visite mit körperlicher
Untersuchung sowie Anordnung von sog. Indicacciones, welche dann von den Krankenschwestern
ausgeführt werden. Gegen 10 Uhr kommen dann die Oberärzte. Hier wird wieder Visite gemacht,
diesmal Bett für Bett. Jeder Interno muss seinen Patienten vorstellen und das Krankheitsbild und das
weitere Prozedere diskutieren. Hier kann man rasch zum Schwitzen kommen. Diese Visite geht meist
bis 12 Uhr und artet in Diskussionen, mündlichen und praktischen Prüfungen aus. Nach der Visite
versammeln sich alle um 12 Uhr wieder im Konferenzraum, um alle up to date zu bringen. Gelegentlich
berichtet der Klinikleiter dann von Nationalfeiertagen, von der H1N1-Problematik oder neuen Beschlüssen
des Gesundheitsministeriums. Oft schließt sich an diese Veranstaltung eine Powerpoint-
Presentation zu relevanten Themen der Frauenheilkunde an; meist H1N1 in der Schwangerschaft
und bei Neonaten. Anschließend gehen alle Mittag essen. Hierzu schließt man sich am besten den
ELAM-Studenten an: Für 10 Pesos cubanos (40 CUC-centavos) sind wir bei einen Privatdame, die
ihren Wohnsitz vor dem Klinikum hatte, Essen gegangen. Hier gab es täglich das übliche: Morros y
christianos, spartanisch geschmückt mit etwas Gurke und einem Stück Steak. Meist geht man gegen
13 Uhr Heim, einmal die Woche muss man zu zweit bis 16 Uhr bleiben.
Die Zeit in der Klinik ist zu Beginn -zu mindest habe ich das so empfunden- sehr anstrengend und
stressig. Alle haben große Erwartungen, seien es die Patienten, die Studenten oder Dozenten.
Schnell lernt man aber, auch nicht zuletzt mit Unterstützung der anderen Internos, wie man all dies
meistert und fühlt sich bald wie ein essentieller Bestandteil dieses Systems! Es lohnt sich.
Was sollte man an Utensilien unbedingt dabei haben?
– ein Maßband, womit täglich die „altura uterina“ oder „circumferencia abdominal“ gemessen wird.
– ein Stethoskop
– ein Blutdruckmessgerät, weil dies zur Routine-Diagnostik bei den Schwangeren gehört
– einen Kittel, lange am besten blaue Hosen und geschlossenes Schuhwerk
– ein Notizblock für die Kitteltasche, um bei den lehrreichen Visiten sich Notizen zu machen.
Wenn ihr Informationen zu der Dokumentation der Historica clinica benötigt, kann ich euch diese zustellen.
In der Frauenheilkunde gibt es ganz bestimmte Zettel zur Dokumentation von Anamnese und
klinischer Untersuchung mit anschließender Epikrise. Diese müssen die Internos selbst kopieren und
für die täglichen Neuaufnahmen parat haben.
Was sollte man sonst wissen?
Studientage gibt es offiziell keine. Inoffiziell gewährt die Klinik nach Rücksprache mit dem Betreuer 2
Wochen Urlaub, welche nicht auf der Bescheinigung erscheinen. Meine Klinik wusste davon allerdings
nichts, da ich die erste PJ’lerin aus Deutschland war, die sie hatten. Da ich aber von anderen Studenten,
die im Calixto Garcias waren, eben das erfahren hatte, sprach im mit dem Lehrsekretariat, welches
keine Probleme machte.
Es gibt noch unendlich viel zum Klinikalltag zu erzählen. Das alles hier zu notieren, würde den Rahmen
sprengen. Gerne bin ich aber bereit, euch persönlich bei einem netten Kaffee mehr zu berichten.
Die Unterkunft
Wohnen kann man günstig in sog. Casas particulares. Das sind private Wohnungen, die offiziell an
Touristen zur Untermiete vermietet werden können. Erkennen kann man diese Häuser an einem blauen
Schild. Ich habe damals 300 CUC pro Monat gezahlt, was ein sehr guter Preis war. Empfehlen
kann ich nur wärmstens Maricella, sie kümmert sch herzig um einen und hat sehr viel Erfahrung mit
deutschen PJ’lern. Die Adresse lautet: Bassarate 206, entre Valle y San Jose. Am besten erreicht
man Mari via e-Mail: „maricela cruz“ marielis9z@yahoo.es. Schnell sind ihre Zimmer verbucht!
Die ELAM-Studenten wohnen alle NICHT in solchen Casa Particulares. Sie wohnen offiziell im Studentenwohnheim
in Girón. Viele ziehen aber nach 2 Jahren Aufenthalt in Havanna in nicht legale
Wohnungen, wo sie nur 1/10 von dem Zahlen, was man für eine legale Casa Particular zahlen müsste.
Auch wenn diese Angebote verlockend klingen, als Nicht-Latino würde ich auf dieses Risiko verzichten.
Letzter Tipp: Man sollte sich unbedingt eine Wohnung im Stadtteil Vedado suchen. Vedado ist sehr
angenehm, besitzt nur wenige Jineteros und liegt sehr zentral.
Die Finanzierung des Auslands-Tertiales
Das teuerste am Kuba-Aufenthalt ist der Flug. Ich habe für mein Ticket bei Airfrance ca. 800 € gezahlt
und bin über Paris geflogen. Weitere Angebote gibt es sonst auch bei Condor, die fliegen allerdings
immer nur Montags nach Havanna über Frankfurt. In Kuba selbst sind die Lebenserhaltungskosten,
wenn man weiß wie und wo man am besten einkauft und isst, sehr gering. Obst und Gemüse findet
man für Moneda nacional in sog. „Agro’s“. Je nachdem findet man hier mehr oder weniger alles nötigste,
was man zum leben und überleben benötigt. Sobald man europäische Lebensmittel sucht, muss
man in Supermärkte. Hier zahlt man in CUC/Convertibles, welche dem Dollar gleich kommen.
Für die Finanzierung des Aufenthaltes gibt es verschiedene Möglichkeiten. Man kann probieren, an
ein Reisestipendium von Stethosglobe heranzukommen. Bei mir hat das erfreulicherweise geklappt,
wofür ich auch sehr dankbar bin.
Ansonsten gäbe es noch die Möglichkeit des Auslands-Bafög’s. Das Amt für Auslands- Ausbildungsförderung
sitzt in Bremen.
Land und Leute
Kuba in Worte zu fassen ist schwierig. Die Menschen sind arm, besitzen wenig, träumen von einem
Leben nach dem Embargo; dennoch sind sie extrem herzig, hilfsbereit und interessiert. Ich habe sehr
gute Bekanntschaften gemacht, viele gehabt, die mir vor Ort geholfen haben. Trotzdem wird man das
Gefühl nicht los, dass man nur interessant ist, weil man CUC$ besitzt. Das klingt hier vielleicht sehr
hart. Wenn man aber vor Ort ist, versteht man, was ich hiermit sagen möchte. Daher sollte man immer
eine gewisse Distanz zu Kubanern halten.
Das Land ist atemberaubend. Sonne, Strand, marode Häuser. Wenn man durch Havanna läuft, merkt
man, dass Eile und Stress hier nichts zu suchen haben. Schnell eignet man sich den kubanischen
Way of Life an und wird gelassen. Kuba hat viel zu bieten, es reicht, wenn man sich seinen Reiseführer
schnappt und sich in die Menschenmasse wirft.
Ein Tipp um schnellstmöglich an den heimischen Strand zu kommen, Santa Maria / Playa del Este:
Man nimmt eine Machina für 10 Pesos Cubanos und fährt damit zum Centro. Als Haltestelle kann
man das Hotel Inglaterra dem Taxifahrer angeben. Dort angekommen, nimmt man dann eine der Havanatour-
Busse vor dem José-Martí-Denkmahl zum Strand. Nicht zu übersehen! Die Fahrt mit dem
Bus kostet 3 CUC, Rückfahrt ist mit dabei, daher sollte man auf das Ticket gut aufpassen! Günstiger
gibt es nichts.
Zu beachtende Sicherheitsaspekte vor Ort
„Havanna hat 2 Mio. Einwohner, 1 Mio. Zivilisten und 1 Mio. Touristen“. Diesen Satz hört man ständig.
Rückblickend kann ich das nur bestätigen. Havanna ist dafür, dass es eine lateinamerikanische Stadt
ist, sehr sicher. Hin und wieder wird man von den berühmt berüchtigten Jineteros belästigt. Mit ein
Paar Worten ist man die aber auch wieder los. Was Jineteros sind? Das lernt man am besten direkt
vor Ort. Dennoch, man sollte sich nicht zu sicher fühlen. Im Endeffekt ist man nun mal der reiche Tourist,
der Dollar besitzt. Armut treibt sicherlich auch in Havanna die Menschen manchmal zu Taten, die
man lieber nicht am eigenen Leib erfahren möchte. Meine Freundin wurde, allerdings in Santiago de
Cuba, von zwei jungen Männern mit Messer in der Hand bedroht und verlor auf diesem Wege ihre
Handtasche mit Handy, Hausschlüssel und Kreditkarte. Das kann einem aber überall passieren. Augen
auf ist die Devise!
Fazit
Havanna ist eine faszinierende Stadt! Ich kann dieses PJ jedem weiterempfehlen, der bereit sich, mit
viel Eigeninitiative und Ausdauer, sich den Strapazen der kubanischen Behörden zu stellen. Es lohnt
sich definitiv.

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